Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

Hallo FTP Community,

warum fasziniert uns Poker? Weil es keine dominante Strategie gibt. Es gibt keinen unumstößlichen Weg zum Erfolg.

Gäbe es eine Strategie, auf die es keine diese Strategie besiegende Gegenstrategie gibt, so wäre Poker am Ende. Nur weil sich jeder sicher sein kann, dass er eine Chance hat, nachhaltig zu gewinnen, steigen wir immer wieder in den Ring und geben unser bestes. Gäbe es aber das unkonterbare System, so würden auch wir es erlernen und es noch so lange wie Roboter spaßfrei abarbeiten, bis es auch der letzte Spieler ebenso täte oder die Pokerbühne gänzlich verlassen hätte.

Gäbe es keine Grundeinsätze, so existiert tatsächlich eine dominante und damit das Spiel killende Strategie: Man foldet immer, es sei denn man hält AA und damit die Nuts. Dann zieht man direkt All In. (Auch deshalb gibt es Grundeinsätze.)

Warum ist diese Strategie so gefährlich? Ohne Asse kostet der stets foldende Spieler schließlich niemanden auch nur einen Chip und mit Asse muss man ihn ja nicht bezahlen. So who cares?

Es ist richtig, dass der Spieler niemanden etwas kostet – auch sich selbst nicht. Damit freerollt er beliebig oft auf die Nuts. Hat er sie aber, so arbeitet jedes Geld, dass nun fliesen kann für ihn. Da er gleich All In zieht, kann zu einem späteren Zeitpunkt auch kein Geld mehr gegen ihn arbeiten. Er freerollt also auf Jetons von anderer Seite, die hin und wieder entweder schon im Pot liegen, wenn er shovt, oder aber noch bezahlt werden, weil ein anderer meint, dass etwa KK auch gut sein könnte. Es gibt einfach keine Downside, kein MinusEV im gesamten Spielansatz. Meist spielt er +-0 und hin und wieder geht ihm was ins Netz. Unkonterbar eben – zumindest in der Theorie.

Im Online Spiel bin ich davon überzeugt, dass sich diese Theorie rasch bewahrheiten würde, da dort die Zeit sehr schnell vergeht und es vor allem möglich ist, viele Tische simultan zu spielen. Gäbe es keine Blinds wären die Tische schnell angefüllt mit eifrigen Anglern, die immer nur ihre Asse als All In in den Pot halten würden und hin und wieder erstaunliche Calls an Land zögen. Zum Beispiel auch die derjenigen, die meinten sie könnte „doppelt so effizient angeln“, wenn sie auch KK als All In anböten. Man kann es sich gerne einmal durchspielen, es gibt in einem Spiel ohne Grundeinsätze letztlich nur noch die vorgestellte einzige unschlagbare Strategie. Jede andere verliert gegen sie.

Zur Praxis: Heute in meinem Fortgeschrittenenseminar werde ich die ersten Minuten einmal ohne Blinds spielen lassen. Ich bin gespannt, was passiert und lasse es euch wissen. Bis dahin alles Gute.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer

the-gambling-institute.de

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