Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

 

„Vielleicht hast Du noch mal kurz Zeit, ein Statement hierzu abzugeben?

Denke ich mir hier das Richtige? Oder bin ich völlig auf dem Holzweg?“

Hallo FTP Community,

so oder so ähnlich fängt so manche E-mail an mich an. Die interessantesten Fälle teile ich gerne mit euch.

Das heutige Spiel findet an einem Standard 9-Sitzer SnG auf Full Tilt Poker statt. Bei Blinds von 50-100 sind die Preisränge erreicht. Man ist zu Dritt. Meine Spielerin ist mit 315 behind (also ultra short) im Small Blind, der Chipleader mit knapp 10k sitzt im Big Blind. Am Button ruhen die übrigen ca. 3k an Jetons.

Der Button eröffnet mit 350 und setzt damit meine Spielerin quasi All In. Meine Spielerin legt mit K4s zusätzliche 15 Chips drauf, ist All In. Der Chipleader pusht die gigantischen 10k! Der Button callt! Der Big Blind hält 88 und einen Reststack von ca. 6,8k. Der Button hält AKo. Das Board bringt: 652-8-3. Damit gewinnt meine Kundin den Mainpot in Höhe von 1.095 via Straße. Der Sidepot mit gut 5,5k geht an den Chipleader. Der Button ist ausgeschieden.

Meine nette Seminarteilnehmerin hätte an Stelle ihrer beiden Gegner anders gespielt und kann sich deren Spielweise zwar erklären, findet sie aber von beiden Seiten nicht besonders klug.

Ihre Gedanken (im Original) und mein kursiver Kommentar dazu:

Ich werde fast sicher in dieser oder einer der nächsten Hände ausscheiden.

Richtig. Das galt auch im Spiel vorher. Da warst du im Big Blind mit 365 behind. Ein taffer Spot, den du bestimmt nicht leicht gefoldet hast (Ich nehme an, das hast du und kamst so in das Spiel nun). Dieser vergangene Spot ist deshalb für unser Spiel interessant, weil er viel über dein potentielles Image und somit über den Handrange des Buttons verrät.

Ich hätte an Stelle des BB preflop nur gecallt und an Stelle des BU dann nur aufgefüllt, anschließend hätten beide durchchecken können und darauf hoffen, dass ihre Monster reichen, um mein Turnierleben zu beenden.

Wichtig ist ja nun zunächst deine Entscheidung. Der Call ist gut. Dein suited König hat oft ca. 40% Equity, gegen schlechte Openings bist du gar vorne. Weiter kann Schönes passieren: Der BB gibt auf und sponsort somit 100 Dead Money. Der BB pusht und vertreibt damit den Button. Damit wären 350 dead im Pot. Du erfährst über postflop Bets Protection für deine Hand. Das heisst: der eine setzt, der andere steigt aus und nimmt somit seine Hand aus dem Spiel, was deine Chancen erhöht.

Nun zu deinem Smallball Ansatz: Du machst keinen Denkfehler. Dein Weg ist ein möglicher, ja ein guter. Doch ich bin auch nicht der Meinung, hier einen von beiden hart kritisieren zu müssen:

Der Chipleader, hat den bestimmt breiten Openingrange des Buttons mit seinen Eights klar im Griff. Dazu stellt er ihm die Frage nach dessen kompromisslosen Ableben. Darüber hinaus sieht man mit 88 out of Position in keine wirklich schöne Postflopwelt. Der All In hat also so seine Vorzüge.

Auch der Call des Buttons ist OK. AK steht kaum schlechter als 50:50, oft schön mit 70:30 gegen den BB. Da du hier chiptechnisch kaum ins Gewicht fällst und der Button auch Zweiter wird, wenn der BB gewinnt, kann man hier nahezu nach Potodds rechnen. ICM Einflüsse sind kaum vorhanden, da es im wesentlichen um die Rollenverteilung fürs Heads Up geht und dort Pot Odds greifen.

Nun hat sich BB dafür entschieden, den BU All-In zu setzen. An Stelle des BU hätte ich nun zähneknirschend AK gefoldet, hätte aber in dieser besonderen Situation nicht um mein Turnierleben gespielt.

Das macht BU aber nicht, sondern callt und ist damit ebenfalls All-In. Damit ist die Situation wieder gegeben, dass zwei Gegner gegen mich in den Showdown gehen (als hätten sie die billige Variante mit dem Durchchecken gewählt), für den BU wird es aber zum Desaster. Er schenkt mir damit den zweiten Platz (in der nächsten Hand bin ich dann tatsächlich ausgeschieden – aber mit dem 2. Platz – und nicht als 3.).

Meiner Meinung nach von beiden nicht gut gespielt, wobei das All-In vom BB mit 88 noch o.k. ist, den Call mit AK finde ich aber wirklich schlecht. Oder mache ich einen Denkfehler?

Wie ich oben angemerkt habe finde ich den Call durchaus OK. Letztlich sieht man hier schön den spieltheorethischen Aspekt von Poker. Halten beide den Ball flach, so optimieren sie ihr Spiel gegen dich. Aber dafür gibt es einen Ausdruck, sofern dies mutwillig getan würde: Collusion. Alle Pokerspieler haben die Pflicht für sich und nur für sich zu optimieren. Beide versuchen dies und so kommt es zur härteren Gangart von der du in diesem Falle profitieren durftest.

Insgesamt gefällt es mir sehr gut, wie du über das Spiel nachdenkst. Genau auf diese Weise verbessert sich dein Spiel zwangsläufig. Alle Gute!

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer

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