Posted by Stephan Kalhamer | Filed under Allgemeines
Hallo FTP Community,
mein letzter Beitrag ist bei mir im Gambling Institute noch beim Mittagessen diskutiert worden. Das passiert sonst eigentlich nicht. Ich denke die Diskussion ist interessant für euch.
Wir sind zwar alle der Meinung, dass es sich bei 99 um einen klaren preflop Push handelt und wir diskutieren auch nicht, dass JJ niemals nur callen darf. Aber danach geht die Diskussion los.
Angenommen wir spielten anstatt des Pushs das gewählte Openraise von 99. Was täten wir denn gegen den Push des uns covernden Small Blinds?
Call? Ja, weil wir in unserem Openraise eine Trap sehen, die dann gegen einen Push zuschnappen soll. Wir wollten einen All In induzieren, nun haben wir ihn. Doch weil wir dies eben nicht wirklich wollen, schon gar nicht gegen JJ aber auch nicht gegen viele viele andere Hände, die gegen 99 flipen, ist die aufgestellte Falle ein schlechterer Weg als der direkte Push.
Fold? Ja, weil wie sich am tatsächlichen Verhalten vom JJ klar und deutlich erkennen lässt viel zu tight agiert wird, wir dies schon vorher wussten und deshalb getrost folden können, wenn jemand tatsächlich shovt. Wir haben das Openraise also deshalb gespielt, weil an diesem Tisch ein All In dieser Gegner immer ehrlich ist und unsere Hand somit nie gut ist.
Ebenso zweideutig verhält es sich mit dem Spiel des Small Blind. Mit Jacks spielen wir hier nie Call. Doch liese sich hier ohne Jacks wunderbar Stop-and-Go spielen. Die Spielweise und Denkart von 99 passt ideal für ein solches Gegenspiel.
Hätte wir also keine Qualität in der Hand und würden wir im Openraise von 99 Unsicherheit sehen, dann ist ein preflop Call gefolgt von einem push auf viele verfehlte Flops, eine sehr gute Zugfolge. Denn eine Hand wie 99 hasst viele viele Flops, vgl. meinen Beitrag zu den Starthänden TT-88, und genau dies nutzt der Push bei einem Jack-, Queen- oder King-high Flop super aus. Diese weitere Achillesferse eines Openraises mit 99 wird aber kaum an diesem Tisch von diesem Gegnerprofil ausgereizt.
Poker ist einfach ein Spiel mit und gegen den aktuellen Tisch. Ideen und Standards aus Online-MTTs sind oft technisch viel ausgereifter, aber deswegen noch lange nicht immer auf Livepoker übertragbar. Stop-and-Go-t mich online ein Small Blind auf diese Art, so muss er noch lange nichts haben, live und am sehr gut beobachteten Tisch meiner Klientin ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer ihrer Gegner diese Line handfrei durchzieht praktisch Null. Mein favorisierter Read online ist live also das, was ich gänzlich ausschließe. Wenn das mal keine weite Spanne ist.
Letztlich kommt es also nicht darauf an, was man tut, sondern wo, wann und warum, wie wer gegen wen was tut.
Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de
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