Posted by Stephan Kalhamer | Filed under Allgemeines
Hallo FTP Community,
mein letzter Blogeintrag hat mich an eine Hand eines jungen, talentierten Spielers erinnert, die ihn leider nachhaltig verunsichert hat. Gespielt hat er sie vor ein paar Wochen auf dem Mainevent der CAPT Bregenz, ein 2k Buyin Turnier – IMO sein bisher teuerstes Buyin.
Beschrieben ist sie schnell. Hier die Schilderung vom Spieler:
200/400 utg+1 raise 2000 – 2 leute folden dann ich push ~ 17k
Der Spieler hielt QQ und wurde von AQ ausgeknockt.
Wo liegt hier das Problem? Aus meiner Sicht gibt es keines. Gehen wir die Szenarien durch:
a. Der Push (so wie gespielt und ausgeschieden wurde)
aa. Foldet der Tisch, insbesondere UTG+1, gegen den massiven Push (der Spieler war ca. 30% über Average), so gewinnt der Spieler 2.600, sein Stack steigt also um ca. 15% auf 20k.
ab. Callt UTG+1 aber, so liegt der Spieler, selbst gegen den tightest anzunehmenden Handrange des konkreten Gegners nicht hinten: Denn der Spieler hat mit AQ gecallt. Also callt er auch sicher mit AK, AA, KK, (QQ), JJ. Dabei egalisieren sich Jacks und Kings und AK ist ohnehin neutral vs. QQ. Es bleiben AA und AQ. AA zerstört QQ zwar schlimmer als im Gegenszenario die Queens AQ, aber dafür ist die Auftrittswahrscheinlichkeit von Paaren deutlich geringer als die von Nichtpaaren.
Zudem ist all dies eine Worstcasedarstellung für den Queenspush vs. das UTG+1 Opening.
Weiter habe ich bisher folgendes positives Faktum nicht berücksichtigt: UTG+1 war in der Vergangenheit sehr laggy. Er hält also sehr sehr oft keine der oben genannten Karten und damit ist entweder die Foldwahrscheinlichkeit sehr hoch oder aber man ist im Callfall weit vorne.
Konkret hatte der Spieler eine Potequity von 70% x 35.000 also gut 24k, langfristig ein Plus von 7.000.
Zwischenfazit zum Push:
Der Spieler nimmt entweder den Pot gesichert mit oder aber er lässt sich die erhöhte Varianz im Callfall sehr gut vergüten. Ein klares Win – Win.
b. Ein Call mit den Queens (so wie dem armen Spieler zu seiner Verwirrung ex post geraten wurde – wohl wegen der Ausscheidens. Nachher scheint man eben immer schlauer
)
ba. Erhöht/Pusht ein Spieler cold, so muss unser Spieler allein schon deshalb bezahlen, weil sein Call seine Queens verschleiert hat, in diesem Kontext ein Second-Hand-Low-Move war. Man befände sich also in einem relativ analogen Szenario zu a. Die Unterschiede wiegen sich in etwa auf: Man hat natürlich keine Foldequity und der tatsächliche Range des Cold-3Bet-Spielers ist wohl enger als der des laggy Openers. Dafür sind 2k mehr im Pot, man hat eine weitere Info des Openers ehe man zu entscheiden hat und schließlich hat man den Push evtl. durch den weak wirkenden Call induziert.
bb. Geht ein weiterer Spieler mit, so tauscht man ein sehr gut gesichertes Szenario preflop gegen ein gutes aber sehr wages Szenario im Postflopsandwich. Dies gefällt mir nicht wirklich. Der Spieler darf oder muss mit jedem guten Flop gehen und jeden Schlechten blufft er mit/ohne Erfolg oder aber foldet zu (Un)recht. Es wird jedenfalls unnötig zu einem Gezocke bei hohen Varianz, aber keinem quantifizierbarem Value.
bc. Ist man nun im wahrscheinlichsten Fall angekommen – einer postflop HeadsUp Situation gegen UTG+1 bei einem Pot von 4.600 und ungefähr 3x Pot behind – so gefallen gut die Hälfte aller Flops den Queens (59% aller Flops sind maximal Q-high, 83% aller Flops sind ungepaart, damit sind etwa 50% aller Flops ungepaart und overcardfrei). Denn Queens wollen am Flop mindestens ein Overpair sein, das möglichst von einem einfachen Hit nicht paniert wird. Welcher Wert liegt nun in dieser Postflopsituation? Komme immer eine 3k Contibet des Openers und gehe unser Spieler immer darauf All In. Weiter folde der Contibetter immer, wenn er gar nichts hat und er calle immer, wenn er getroffen hat. Dann ergibt sich folgender risikonetrale Wert für unseren Spieler im Falle eines guten Flops (jeder 2te):
+5.600 bei 2/3 der Flops, denn der Gegener hat verfehlt.
+10.200 = 17.000×80% – 17.000×20% bei 30% der Flops, denn der Gegner trifft einfach und hat 5 Outs gegen das Overpaar Damen.
-13.600 = 17.000×10% – 17.000×90% bei 3% der Flops, denn der Gegner trifft doppelt und die Queens haben 2 Outs.
Insgesamt ergibt sich damit ein erwarteter Zugewinn von
+6.404 = 5.600 x 67% + 10.200 x 30% – 13.600 x 3%
Da aber nur jeder zweite Flop gefällt und in unschönen Flops wie oben beschrieben kein Value, sondern nur viel Gerate steckt, ist dieser Wert noch mit 50% zu multiplizieren um auf den modellierten Value des Postflopspiels zu kommen: +3.202, also 602 mehr, als wenn der Gegner nach dem Prefloppush so einfach wie unspektakulär foldet.
Ist dies all den spielerischen Aufwand wert? Nein.
Wie im konkreten Fall zu sehen ist, sind reale Gegner einfach nicht so diszipliniert als im Modell angenommen. AQ callte fröhlich und bescherte unserem Spieler eine Equity von 24.000 – ein Zugewinn von 7.000, also 3.798 mehr als der modellierte Wert des alternativen postflop Drahtseilaktes.
Fazit:
Wer ein 2k Event spielt, darf sich nicht ins Boxhorn jagen lassen. Poker, gerade Turnierpoker, birgt nun mal Risiken. Das eingegangene Risiko war stark for Value. Wer sich sein Spiel nur wegen eines konkret eingetretenen Ausscheidens schlecht reden lässt, wird schwerlich Erfolg haben. Kopf hoch! Mund abwischen und „weiter, immer weiter“ wie Olli Kahn wohl sagen würde.
Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de
Popularity: 13% [?]
Letzte Einträge
- Flops: Einleitung
- Flops: 3-Flush Flops
- Flops: Unconnected Rainbow Flops
- Horoskop….
- 7 Games/ 7 Tipps: (7) „PL Omaha Hi“
Leave a Reply
