Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

 

Hallo FTP Community,

ein Bluff hat doch wirklich etwas Formschönes an sich! Geschickt als Semibluff eröffnet, stonecold zur Vollendung gebracht. Der Fold des Gegners gewinnt den Pot, vor allem aber schmeichelt er dem Ego. Doch so Leid es dem Pokerästheten in mir tut, meine Turbosixpacks auf Full Tilt Poker schlage ich vor allem durch straight-forward Poker.

(Semi-)Bluffing? Slowplaying? Ein Check-Raise? Das alles macht gutes Pokerspiel aus. Den Gegner in die Irre zu führen, ihm bei schwachem Blatt stark zu erscheinen oder eben weak bei einem Monster: Meister von Deception beherrschen dies. Doch WIESO und WIE GENAU leitet man eigentlich Gegner fehl?

Wieso?

Um bei schlechtem Blatt einen ungebührenden Pot zu stehlen und bei gutem Blatt einen größeren Pot zu gewinnen.

Wie Genau?

Unmittelbar kostet jeder deceptive Move Chips. Warum? Deception ist immer eine Abweichung vom Standardspiel, auf gute Blätter zu setzen und sich von schlechten zu trennen. Wer mit schlechten Blättern gewinnen will, zockt auf den Fold aller Gegner. Wer bei gutem Blatt (quasi) umsonst eine Veränderung der Situation zulässt, verzockt vielleicht den aktuell ihm gebührenden Pot. Genau betrachtet investiert Deception also in die Zukunft auf Kosten der Gegenwart.

Shorthanded Turbosixpacks lassen aber kaum Zeit und Raum für setzrundenübergreifende, vorausschauende Moves. Fast immer sollte man das Hier-und-Jetzt optimieren, sich nicht in (Implied) Odds oder ähnliches verstricken. Dazu kommt, das der Spielerpool in diesen Turnieren für sein Leben gerne callt oder All In blufft. Es macht also wirklich wenig Sinn irgendetwas anderes als den puren Showdownvalue jeder Situation für sich zu sehen und entsprechend zu handeln:

„Pump it or dump it!“ Glaube ich vorne zu sein, wandern gehörig Chips in die Mitte, wenn nicht, dann eben die Karten in den Muck. Hier ein Beispiel, wie es nahezu so oft vorkommt wie ich solche Szenarien gedealt bekomme:

Das Turnier ist in der ersten Blindstufe 15/30, als ich mit QQ in UTG+1 meine erste Hand spiele. UTG hatte eingelimpt, ich  potsize geraist. BB und UTG callen, damit ist der Pot auf 420. Der Flop erscheint queen-high mit flushdraw (Qs 3h Th). Beide checken, ich bepreise mein Nutsset mit gut halber Potsize. Ich sehe das hier tatsächlich auch ein wenig deceptive! Denn ich will hier v.a. ein All In Check-Raise induzieren: So mancher Gegner will in meiner Wette eine weake Contibet sehen und kommt auf die Idee, dies mit All In zu “bestrafen”. Hier läuft es auch ganz gut. BB foldet, UTG raist auf 1140, woraufhin mein Stack in Höhe von 1365 gen Tischmitte wandert. UTG covert mich und callt den kleinen Aufpreis. Er hält mit JcTs Midpair ohne direkten Draw. Meine gut 95% Potequity reichen zum Sieg im Showdown. Hurra!

Ich bin hier einen Mittelweg gegangen. Dadurch, dass ich mich nicht voll commitet habe, hätte sich ein Flush- und/oder Straightdraw (meist fehlerhaft, aber dennoch real) eingepreist fühlen können, was mir das Folgespiel an Turn evtl. erschwert hätte. Soviel zur Downside meiner gewählten Alternative zum „ehrlichen“ Bet nahe Potsize. Mein Weg hat auch eine klare Upside: Meinen Stack und die Gesamtsituation! Mit 1125 behind nach meiner geringen Bet, sehen meine Bet- und Stacksize dazu die Tatsachen, dass ich der Preflopaggressor war und das Bord nicht gerade leicht zu treffen ist, stark nach einer rein technischen Contibet aus. Gegen eine solche bedarf es keiner Hand beim Gegner, er braucht nur den Mut mich All In zu setzen. Ja, und Mut, davon gibt es nun wirklich genug in unserer netten kleinen Full Tilt Poker Welt…

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer

the-gambling-institute.de

Popularity: 9% [?]


Letzte Einträge

  1. 2. Match gegen EPT Kiew Gewinner Maxim Lykov
  2. ToP, Kapitel 13
  3. 7 Games/ 7 Tipps: (6) „ 7 Card Stud Hi”
  4. Cashgameauftritt in Seefeld
  5. ToP, Kapitel 15

Leave a Reply

 
rss