Stefan Rapp Stefan Rapp

In meinem letzten Blog habe eine interessante Situation in der Startphase eines Turniers umrissen.

Ich stand vor der Entscheidung mit 8d6d auf ein Board 8x8x9xKx 3000 Turnierchips für einen Pot von 6975 zu bezahlen, wobei mein Gegner mir eine Acht zeigte. Ich brauchte also eine „pot equity“ von etwas über 30%, um einen Call zu rechtfertigen. Aufgrund meiner Analyse grenzte ich die Starthand meines Kontrahenten auf 86, 87, 8T, 8J oder 8Q ein. Ich hatte also lediglich 3 Outs um den Pot alleine zu gewinnen. Der wesentliche Wert meiner Starthand lag also in einer Potteilung, bei der ich meinen Chipstand um 1500 vermehren würde. Aber wie oft darf ich in dieser Situation einen Split Pot erwarten? Unter den von  mir getroffenen Annahmen liegt die Wahrscheinlichkeit einer Teilung bei immerhin 47,6%. Zusammen mit einer möglichen 6 am River addiert sich das zu 28,8% pot equity, was trotz meiner optimistischen Annahmen nicht für einen Call reicht.


Am Turniertisch konnte ich die Partie natürlich nicht so genau analysieren. Dennoch kam ich Gott sei Dank zum selben Schluss, und meine Hand wanderte in den Muck.
Auch wenn das Zeigen der Acht meines Gegners in diesem Fall für eine kleine Denksportaufgabe   gesorgt hat, ist sein Verhalten dennoch nicht gutzuheißen. Er beeinflusst damit unerlaubt die Entscheidung des Gegners. Im Turnier hat dies auch Einfluss auf die anderen Teilnehmer, da in einer möglichen All-In Situation alle Unbeteiligten vom Ausscheiden eines Spielers profitieren. In einem internationalen Turnier hätte ein strenger Turnierdirektor wohl eine 10-minütige Zeitstrafe oder Ähnliches verhängt.

 

Euer Stefan

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