Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

 

Hallo FTP Community,

der CAPT Auftakt in Seefeld ist nun ein paar Wochen her, in wenigen Tagen beginnt der nächste Stopp der Tour:  Bregenz. Vor allem die Mainevents sehe ich mir gerne etwas genauer an.

Für 2k Buyin erhält man einen 10.000er Startstack. Dieser schmilzt wegen der guten Struktur anfänglich angenehm bedächtig dahin. Dank 60-minütiger Blindlevels kosten die ersten drei Level zu 25-50, 50-100 und 100-200 gerade mal gut 10% des Stacks, falls man sie komplett verschläft oder in Phil Hellmuth Manier einfach mal „a bisserl“ (ein wenig) später kommt.

Dies ist für mich neben der guten Organisation in den Casinos Austria ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Serie. Gleichzeitig finde ich es immer wieder erstaunlich, wie viele Spieler schon in dieser dreistündigen Anfangsphase busten. Mancher Bust mag allein im Setup eine ausreichende Erklärung finden, aber viel zu viele sind aus meiner Sicht einfach unnötig. Ich möchte auch aufzeigen, warum ich das so sehe:

Poker ist ein Entscheidungsspiel.

Eine Entscheidung ist immer nur so gut wie ihre Alternativen.

Bei CAPT Main Events bietet sich jedem Starter folgende triviale (natürlich nicht optimale, aber vorhandene) Strategievariante für die ersten 3 Level: Man zahlt nur die Blinds. Damit ist man zu 100% nach 3 Stunden mit etwa 9.000 Jetons im Turnier. Man liegt dann ca. 30% unter Average und hat in Level 4 dreißig Big Blinds zur Verfügung. Nicht rosig, aber zu 100% zu verwirklichen.

Macht man sich diese Alternative einmal tatsächlich klar, dann liegt meines Erachtens nach auf der Hand, dass kollektiv viel zu forsch begonnen wird.

Ich empfehle in der Anfangsphase nur Setups zu spielen, die mich geradezu überwältigen, also nicht nur zum Spielen einladen, sondern förmlich zum Spielen zwingen! Das genügt vollkommen – für den Beginn.

Sind es dann die anderen, die in den ersten 3 Level das Zeitliche gesegnet haben, mache ich mich langsam aber immer noch bei weitem nicht in Eile oder gar gefühlt unter Druck auf die Suche nach einem Spiel. Nach gut fünf Stunden spot- und somit glück-losem Überleben, ist der eigene Stack letztlich auf 6.000 runter und man befindet sich spätestens in Level6 (300-600) im Bereich Push-Or-Fold (die meisten anderen Überlebenden übrigens auch). Das ist nicht schön, aber schließlich auch der Worst-Case-Ast dieser Wegempfehlung. Inzwischen hatte man ca. 80 Hände lang die Gelegenheit Erfreuliches zu finden und oft genug findet sich in dieser langen Zeitspanne mindestens eine klare Aufdoppelgelegenheit unter positiver Erwartung.

Klar, die anderen haben mehr erlebt – unter anderem auch den möglichen frühen Tod.

Einem eventuellen „only the good die young“-Argument, möchte ich zum Schluss noch entgegenhalten, dass ein Turnier zu Beginn niemals gewonnen, wohl aber verloren werden kann.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer

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