Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

 

Hallo FTP Community,

Starthand Damen – das letzte Mitglied im erlauchten Club der Premiumhände – will ich heute näher betrachten. „I don’t care to belong to any club that will have me as a member.” zu deutsch: „Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.” Nichts beschreibt Pocketqueens besser als dieses als Groucho-Marx-Paradoxon bekannte Zitat.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Queens sind super. Ihr Showdownvalue gegen nahezu alles ist überwältigend:

gegnerische Hand Auftrittswahrscheinlichkeit (absolut) Equity
AA, KK 0,9% ca. 20%
AK 1,2% ca. 50%
AQ, KQ 2,4% ca. 70%
Ax, Kx (mit x<=J) 24% (20×1,2%) ca. 70%
JT…J2, … ,32 54% ((9+8+…+1)x1,2%) ca. 80%
JJ, TT, …, 22 4,5% (10×0,45%) ca. 80%
QJ…Q2 12% (10×1,2%) ca. 90%

Finden wir also Queens, sind wir gegen eine zufällige andere Hand ohne weitere Information in ca. 98% aller Fälle weit vorne und zu 99% nicht hinten. Das ist schon ein Pfund. Gute Pokerspieler aber verfügen über weitere Information: die Action und den daraus resultierenden aktuellen Handrange des Gegners.

Ein Beispiel:

Ehe wir in die Karten schauen, ist jedes Blatt möglich. Nun sehen wir hinein und eröffnen danach mit Raise. Die spezielle Situation spielt hier keine Rolle. Wichtig ist festzustellen, dass wir dies nicht mit jeder Hand getan hätten, sondern z.B. nur mit den Händen aus den Handkategorien, die ich hier in meinen Blogeinträgen im Laufe der Zeit beschreibe. Dies sind alle Paare (5,85%), alle Ass-Kombinationen (14,4%) und manch andere weitere spielbare Hand wie „gute“ Könige oder schöne suited Connectors (ca. 10%). Eine konkrete Hand aus diesen Kombinationen hält man also in ca. 30% aller Fälle. Wird nun gegen uns Reraise gespielt und nehmen wir diesen handkategoriell ernst, so hält unser Gegner beileibe nicht mehr alle oben aufgelisteten Starthände. Viele der für uns günstigsten Hände fallen raus. So kann er z.B. AA-TT, oder AK-AJ, vielleicht sogar eine Hand wie KQ noch halten, alles andere kommt aber je nach konkreter Spielform, dem eigenen Image und dem Gegnerprofil nahezu sicher nicht mehr in Frage. Hier sieht die Welt dann plötzlich ganz anders aus:

gegnerische Hand Auftrittswahrscheinlichkeit (absolut) Auftrittswahrscheinlichkeit (relativ) Equity
AA, KK 0,9% 14% ca. 20%
AK 1,2% 18% ca. 50%
AQ, KQ 2,4% 36% ca. 70%
AJ 1,2% 18% ca. 70%
JJ, TT 0,9% 14% ca. 80%

Spielen also nur noch die „Top 10 Hände“ eine Reraise gegen unsere Openraise, so sind Queens „nur noch“ in 2/3 der jetzt möglichen Falle weit vorne und in 5/6 nicht hinten. Denn der relative Anteil von AA, KK und AK im möglichen Handrage ist drastisch gestiegen.

Gehen wir einen Schritt weiter, spielen Over-The-Top, so möchten wir das gegnerische All In schon nicht mehr wirklich hören, denn dann sind auch die letzten gern gesehenen Gäste von QQ ausgesiebt und es verbleiben nur die Killer AA und KK sowie evtl. der Flip vs. AK im plausiblen Range.

Fazit:

Queens sind die Könige unter den Narren, man muss aber auf der Hut sein, nicht zum Narr unter den Königen zu werden. Zwei- bis dreizügig (also Openraise, Reraise und Over-The Top) und somit bis zum effektiven Stack in Höhe von ca. 30BB gehört den Damen klar das Feld, danach wird die Luft dünn und es obliegt dem Kalkül des Spielers zu erahnen, wie lange die Damen Herr im Hause sind.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer

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