Christoph Wolters Christoph Wolters

Heute Abend wird im DSF die 5.Folge von „Heads up, das Pokerduell“ ausgestrahlt. In der Sendung spiele ich eine Hand gegen den Sieger der Sendung, bei der ich bereits auf die Kommentare von Michael Körner und Martin Kläser gespannt bin. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer es ist sich beim Kommentieren nicht von dem Informationsvorteil der offenen Karten zu sehr beeinflussen zu lassen. Außerdem fehlt einem die Historie der Partie. Es werden ca 4 von 40 Händen kommentiert.

Folgende Situation: Ich sitze im BB (200 ca 5000 Stack) mein Gegner im SB (und Button) legt nach. Ich finde J4 und checke. Flop: j9q ich spiele von vorne 400 er call. Unangenehmer Flop. Als ich vor einigen Jahren NLH nur in Turnieren und dort noch sehr viel tighter gespielt wurde, hätte ich die Hand bereits aufgegeben. Nachdem ich jetzt aber seid über einem Jahr NLH Cashgame in meinem lokalen Provinztheater spiele, wurde ich zu oft von der Kreativität hiesiger Laiendarsteller überrascht.

Ich setze meinen Gegner sofort auf einen Draw. Sollte er nicht eine Strasse oder Drilling gefloppt haben, denke ich würde er mich mit jeder Hand die mich schlägt raisen. Auch mit 2 Paar, da das Board zu gefährlich ist. Ausnahme J mit besserem Kicker. Turn A. Ich checke er setzt 700, ich call. River A, ich checke er 1000 ich call. Einzig der relativ zum Pott kleine bet am River hat mich stutzig gemacht und mich fast zum fold verleitet. Ich traue meinem Gegner durchaus zu mit einem A aus dem SB nur nachzulegen, auf der anderen Seite ist mein schwacher Kicker durch die AA auch kein Problem mehr. 

Ich verliere die Hand im Showdown und werde dafür sehr wahrscheinlich belächelt. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass das A auf dem Turn eine zu großer Versuchung für den Spieler mit dem Draw ist, dem Pott zu „klauen“. Mein Problem ist natürlich, dass ich keine Informationen über meinen Gegner besitze. Aber in den Cashgames in meiner Region hat dieser Call eindeutig +EV.

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6 Responses to “Donkey Call?”

  1. Michi Berkholz Says:
    March 6th, 2010 at 9:10 am

    obv. donkey call! ;)

  2. Joe Says:
    March 7th, 2010 at 10:18 am

    Achtung, Kommentar eines Amateurs:
    Das ist es ja gerade: bei einem Amateur kann man den kleinen Einsatz am River durchaus mit einer starken Hand assoziieren, genauso, wie Dein Gedanke erstmal war: Der will mich im Spiel halten. Bei einem Profi wäre ich hingegen eher ins Grübeln gekommen: er (Profi) will, dass ich denke, dass er mich im Spiel halten will. Also will er mich wohl eher folden sehen. Und so calle ich.

    Ich zahle oftmals auch einen kleinen Einsatz, im Wissen, dass ich wahrscheinlich hinten liege (Pott Odds mal ausser acht lassend). Aber so erfahre ich auch mal etwas über die Spielweise des Gegners. Geht natürlich nur mit genügend Stack und naürlich (wie immer) situationsabhängig. Sowas ist im Heads Up aber regelmässig nicht möglich, da deutlich viel zu teuer…

    Jedenfalls hat mir das Spiel von Marco gut gefallen, sorry Chris… ;-) Aber der Rapp hat sich ja revanchiert und die angekratzte Profi-Ehre wieder aufpoliert…

  3. Marco Says:
    March 10th, 2010 at 6:21 am

    Die Idee, AK mal nicht zu raisen hat mir da tatsächlich einen schönen Pot beschert. Joes Gegenüberstellung der Spiel-und Denkweise von Pro und Amateur ist sehr plausibel – eine Kleinigkeit muss ich aber trotzdem ergänzen ;)
    Manchmal kann es ein Vorteil sein, Amateur zu sein (z.B. in unserer letzten Hand), in dieser Hand war es IMO ein Nachteil.

    Ich weiß natürlich, dass ein Pro auf jeden noch so hohen oder auch niedrigen Einsatz bezahlen oder folden kann, weswegen ich mich durchaus mal zu einem Post Oak Bluff oder auch einer völlig überhöhten Value Bet entschließen könnte. Was ich aber nicht weiß, ist, ob Christoph mir als Amateur solche Moves überhaupt zutraut. Insofern hab ich in der Situation gar nicht viele Optionen gesehen, wie ich noch zu Chips kommen kann und straight-forward eine dünne ValueBet zu bringen schien mir noch diejenige mit den höchsten Erfolgsaussichten zu sein.

    Alles in allem war es aber eine ganz tolle Erfahrung und es hat mir sehr viel Spaß gemacht

  4. Marco Says:
    March 10th, 2010 at 7:14 am

    EDIT: weil es oben vielleicht nicht so recht deutlich wurde: bei einem hohen Anspiel (oder sogar All In) hatte ich befürchtet, dass ich zu deutlich das Ass repräsentiere, Christoph es mir am Ende eben doch glaubt und nicht zahlt.

  5. Joe Says:
    April 10th, 2010 at 6:08 pm

    Hi Marco,

    full ack! Es spricht für dich, dass du dir genau diese Gedanken machst: wie schätzt der (Pro-)Gegner mich überhaupt ein? Nur dann weisst du, welche Moves du machen kannst, um eine erwünschte Reaktion des Gegner zu provozieren. Hast ja alles richtig gemacht, Glückwunsch! Und toi toi toi für das grosse Finale!

    Grüssle
    Joe

  6. Marco Says:
    May 31st, 2010 at 7:29 am

    Danke Joe :-)
    Hat ja scheinbar zumindest ein bißchen was gebracht!

    Gruß
    Marco

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