Autor: Soraya Homam | Gespeichert unter Allgemeines
Aber dem war nicht so. Als Neuling, noch dazu als Frau, die sich möglicherweise als Konkurrentin durchsetzen könnte, wurde mir direkt und indirekt zu verstehen gegeben, dass das Casino kein geeigneter Ort für „eine Frau wie mich“ sei. Für mich war es, als wollte man mir direkt sagen: ‚Was wollen Sie eigentlich hier? Pokern ist nur für uns Männer gedacht!’ Es kam mir so vor, dass manch männliche Ehre doppelt belastet wurde, wann immer ausgerechnet ich gewann. Daher wehte also der Wind! Verlieren tut jedem weh, nur dass „Mann“ hier mit zweierlei Maß zu messen schien.
Pokerlektüre, vor allem Bücher über die Pokerpsychologie, waren damals rar oder gar nicht vorhanden und das Verhalten meiner Mitspieler machte mich so wütend, dass ich innerlich kochte. Erst mit der Zeit lernte ich, dieses Fehlverhalten mancher männlicher Mitstreiter zu ignorieren, das als falsche psychologische Spieltaktik angewendet wurde – falsch in vielerlei Hinsicht.
Die „Krönung“ dieses Rituals war es, dass ich manchmal doppelt geblufft wurde. Zum einen, dass „Mann“ quasi den Besserwissenden, speziell am Pokertisch, mimte und zum anderen in der Tat durch einen „echten“ Bluff im Spiel.
Damals wusste ich nicht, wie ich mit diesem absurden Verhalten umgehen soll.
Soraya Homam
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