Hans Martin Vogl Hans Martin Vogl

Unter dieser Rubrik wird in der Zeitschrift ” Das Pokerblatt ” immer eine interessante Hand von 2 Pros bewertet und aus Sicht eines Spielers diskutiert. In der aktuellen Ausgabe durfte ich meine Meinung zu einer sehr bemerkenswerten Hand abgeben, die sich beim diesjährigen Mainevent der WSOP zugetragen hat, als noch 12 Spieler verblieben sind.

Die Protagonisten waren Darvin Moon und Billy Kopp und so berichtete damals Pokernews im Live-Reporting über die Hand:   http://www.pokernews.com/wsop/2009/event-57/day8/page2.htm

” Billy Kopp Eliminated in 12th Place ($896,730)

Wow. That’s a succinct description of what just happened on the secondary feature table. Billy Kopp opened for 600,000 preflop from early position and was called by the small blind, Darvin Moon. So far, so good.

On a flop of {K-Diamonds} {9-Diamonds} {2-Diamonds}, Moon had first action and checked. He then called when Kopp bet 750,000. Again, nothing out of the ordinary yet.

It was on the turn {2-Hearts} where everything went haywire. Moon checked again and drew a bet of 2.0 million from Kopp. Moon then check-raised to 6.0 million. Improbably, Kopp moved all in for about 20.0 million total. Even more improbably, Moon called!

Kopp: {5-Diamonds} {3-Diamonds}
Moon: {Q-Diamonds} {J-Diamonds}

Kopp looked like he wanted to cry when he saw Moon’s hand. He knew that he was drawing dead and that Moon had him covered. Kopp had more than 80 big blinds to start the hand; with the {7-Clubs} river he had none. He didn’t even wait for the river to come out, barreling out of the secondary feature table area as fast as he could.

Moon is once again the chip leader with a whopping 45.0 million chips. “

Und zu dieser Hand habe ich mir dann meine Meinung nach dem gedealten Flop gebildet aus Sicht von dem Unterlegenen Billy Kopp, die ihr hier lesen könnt:

Flop:  Der gefloppte Flush verleitet natürlich immer dazu, dass man sich im ersten Moment zu sicher fühlt und mögliche Gefahren außer Acht lässt. Man will den Gegner quasi in die Hand ziehen und  dies ist in diesem Fall exakt der Fall.
Billy Kopp spielt meiner Meinung nach am Flop zu niedrig an. Die Pot-Size beträgt knapp 1,6 Mio. und mit seiner Bet von 750k  ermöglicht er vielen gegnerischen Händen zu einem billigen Preis den Turn zu sehen. Und speziell mit einem Baby-Flush – wie Billy Kopp ihn hält- ist die Hand Protection nicht zu vernachlässigen, da man natürlich kein weiteres Diamond sehen will, welches die eigene Hand zerstören würde.
Daher hätte ich aus Valuegesichtspunkten und im Hinblick auf die Handprotection eine Bet von knapp 1 Million  getätigt.

Turn:  Durch die 2h am Turn – eine Karte, die wir nicht unbedingt sehen wollten -
pairt sich das Board und ermöglicht nun ein Full House bzw. Quads. Darvin Moon checkt-raist nun die 2 Mio. Bet auf 6 Mio. und stellt uns jetzt vor eine schwierige Entscheidung.

Was geben wir in diesem Moment Darvin Moon?

Bedingt durch die Preflop-Action ist KK und 99 ziemlich unwahrscheinlich, da Darvin Moon diese beiden Hände sicherlich mit mehr Dampf preflop als 3-Bet gespielt hätte, da er erstens out of position am Flop agiert und zweitens nicht dazu neigt Experimente gegen einen anderen Bigstack zu versuchen. Bleiben noch die Quads, die man nicht ausschließen kann und die viele Spieler exakt so spielen würden.

Bedingt durch die Tatsache, dass Darvin Moon die Tage vorher ziemlich straight forward gespielt und nahezu „move-freies“ Poker gezeigt hat, kann man einen Semibluff in dieser Situation fast ausschließen.

Bleibt noch die Gefahr, dass wir gegen einen anderen gefloppten Flush laufen, der uns dann logischerweise schlagen würde.
Da stellt sich nun aber die Frage: kann man Darvin Moon aus der Hand drängen, in dem wir ihn all-in setzen und ihn vor die schwierige Frage stellen, ob sein Flush am gepairten Board gut ist oder nicht? Welchen Eindruck haben wir von ihm im Laufe der letzten Tage gewonnen? Kann er von der Hand loslassen oder callt er auch mit dem Flush auf die Gefahr hin, dass wir drawing dead sind? Und eine andere Frage lautet noch: würden wir überhaupt mit einem eigenen Full House –das wir als preflop UTG Raiser sicherlich repräsentieren können- so hart all-in pushen oder sieht dieser Push eher schwach aus?

Billy Kopp hat sich jedenfalls zu dem Push hinreißen lassen, damit den größten Pot des Turniers erzeugt und war dabei drawing dead als der Call von Darvin Moon mit dem besseren Flush kam.

Einen gewissen Charme kann man dem Play von Billy Kopp sicherlich nicht absprechen, denn der Call von Darvin Moon war alles andere als leicht mit dem Flush in dieser Situation so knapp vor dem Final Table der WSOP.

Allerdings denke ich, dass es mehr Champion-like gewesen wäre von Billy Kopp sich von der Hand nach dem Checkraise zu trennen, Darvin Moon Checkraise Credit zu geben und mit geringem Schaden aus der Hand zu kommen und mit einem  Average-Stack weiterhin im wichtigsten Turnier des Jahres zu verbleiben.

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