Stefan Rapp Stefan Rapp

Der menschliche Verstand ist nicht geschaffen um Wahrscheinlichkeiten „korrekt“ zu erfassen. Was wir in unserer Erinnerung verankern, sind jene Momente, die uns emotional erregt haben. Wir merken uns…

Der menschliche Verstand ist nicht geschaffen um Wahrscheinlichkeiten „korrekt“ zu erfassen. Was wir in unserer Erinnerung verankern, sind jene Momente, die uns emotional erregt haben. Wir merken uns keine relativen Häufigkeiten von Ereignissen, sondern spezifische Ausgänge von Pokerpartien, die uns aufgrund ihrer Dramaturgie enttäuscht oder positiv überrascht haben. An welche Ausgänge wir uns erinnern, hängt oft mehr von der momentanen Gefühlslage, als von objektiven Gesichtspunkten ab.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die meisten Pokerspieler in Bezug auf den Kartenverlauf als „unglücklich“ empfinden. Wie oft hört man nach einer verlorenen Partie: „Ich kann die Asse einfach nicht gewinnen!“ Oder: „Gegen mich kann jeder ein Flush kaufen!“

Was also ist „Glück“ oder „Pech“ im Spiel? Nun, als glücklich wird das Eintreffen von günstigen Ereignissen mit geringer Erfolgswahrscheinlichkeit (wesentlich kleiner als 50%) empfunden. Andererseits bezeichnen wir es als „Pech“, wenn unwahrscheinliche Ereignisse zu unseren Ungunsten passieren. Selten denken wir daran, dass es auch „glücklich“ (weil überdurchschnittlich) ist, wenn unser Gegner seinen Flushdraw nicht trifft. ABER: Einen solchen Ausgang empfinden wir vielmehr als gerecht – Schließlich hat sich der Favorit durchgesetzt.

Für eine einzelne Partie „Made Hand vs. Draw“ gibt es eben nur zwei mögliche Ausgänge: Der Draw kommt oder eben nicht! Beide Ausgänge weichen stark vom Erwartungswert (EV) ab. Für 10 Partien gibt es bereits 11 Ausgänge, von denen die wahrscheinlichsten schon relativ nahe am EV liegen.

Dazu folgendes Beispiel:

Angenommen, wir spielen 10 x gegen einen Draw mit 25%iger Erfolgsaussicht. So könnt ihr in untenstehender Tabelle ablesen, mit welchen Wahrscheinlichkeiten der Draw „Genau“ 1 mal, 2 mal, …, oder 10 mal trifft. Die Spalte „Kumuliert“ sagt uns mit welcher Wahrscheinlichkeit das jeweilige Ereignis eintritt oder eines der Ereignisse davor z.B. in der Zeile Draw trifft 3 mal, ist der kumulierte Wert 77.59%, d.h. die Ereignisse Draw trifft 0 mal, 1 mal, 2 mal oder 3 mal tritt mit dieser Wahrscheinlichkeit ein.

Draw trifft

Genau

Kumuliert

0 mal

5.63%

5.63%

1 mal

18.77%

24.40%

2 mal

28.16%

52.56%

3 mal

25.03%

77.59%

4 mal

14.60%

92.19%

5 mal

5.84%

98.03%

6 mal

1.62%

99.65%

7 mal

0.31%

99.96%

8 mal

0.04%

99.997%

9 mal

0.003%

99.9999%

10 mal

0.0001%

100%

Schon an diesem Beispiel ist schön zu sehen, dass Glück ein kurzfristiges Phänomen ist. Je länger der beobachtete Zeitraum desto gnadenloser schlägt die Mathematik zu … Glücklicher Weise – oder Nicht?

Euer Stefan

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