Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

Hallo FTP Community,

wie schön einfach ist doch die virtuelle Welt! Die Full Tilt Poker Software bietet drei Schaltflächen, man entscheidet sich spätestens nach einigen Warntönen nach Gusto für Fold, Call oder Raise – that’s it. Live muss man schon mehr beachten, will man Poker spielen ohne anzuecken.

Zunächst einmal muss man bereits am Platz sein, wenn die letzte Preflop Karte ausgeteilt wird – nicht erst, wenn man dran ist. Dann sollte man seine Karten unmittelbar nach Zuteilung etwa mit einem Chip schützen. Denn als Spieler hat man die Pflicht das Geheimnis seiner Karten und die Karten selbst zu bewahren. Zieht also der Carddealer (aus Versehen) ungeschützte Karten ein, so ist das Spiel für den fahrlässigen Besitzer zu Ende. Ebenso gelten Karten als gefoldet, wenn der Spieler sie zu früh einer anderen Person zeigt. Karten werden im Showdown gezeigt und nur dort.

Auch für das Handling von Jetons gibt es so manches zu beachten, was online automatisch abläuft. Der eigene Stack muss einsichtig sein. Es darf keine “Wand” aus kleinen Werten die Großen verdecken.

Weiter muss eindeutig und in einem Zug gehandelt werden. Am besten annonciert man die gewünschte Action (z.B.: „Raise“), trennt dann die gewünschte Jetonmenge vom Stack und schiebt in einem Zug die Erhöhung in Richtung Tischmitte. Die wichtigsten Regeln hier sind:

Actionen müssen in einem Zug erfolgen. „Stringbets“ sind unzulässig: man darf nicht zunächst etwas setzen und dann „nachbessern“.

Das Wort ist bindend: Stehen Wort und Tat im Widerspruch, zählt das Wort.

Für nicht annoncierte Taten gilt, dass der Jetonbetrag die Tat definiert. Jeder Betrag ab 50% der minimalen Raisehöhe gilt als minimale Raise, alles darunter als Call, alles über der minimalen Raisehöhe als Raise in entsprechender Höhe.

Die minimale Raisehöhe wird nach dem Leitsatz „double the Bet“ ermittelt. Eine Bet kann nie kleiner als der Big Blind sein. Eine Raise ist  theoretisch immer in einen Call- und einen Betanteil aufteilbar. Openraist also jemand bei Blinds von 25/50 auf 125, so hat diese Raise einen Callanteil von 50 und eine Betanteil von 75. Damit ist in dieser Setzrunde das minimale Betinkrement ab nun 75. Legt also ein bisher völlig unbeteiligter Spieler kommentarlos 150 in den Pot, so ist dies ein Call und er erhält 25 zurück. Denn der erbrachte Betanteil erreicht nicht 50% der nun minimalen Erhöhung um 75(nur 25 der 150 erhöhen effektiv, zumal ein Call 125 kosten würde). Legt der selbe Spieler aber kommentarlos 175 in den Pot, so sind von ihm 25 nachzubezahlen, da der Betanteil über 50% (50/75) der minimale Höhe für eine Raise erreicht und somit als solche interpretiert wird.

Zum Glück ist es leichter, die Regeln zu erfüllen als diese niederzuschreiben. Ich hoffe, dass ich euch gerade im letzten Absatz helfen konnte. Diese Frage taucht nämlich wirklich oft auf, zumal manches „Casino“ die „Double the Bet“ Regel fehlerhaft auslegt. Aber was heißt schon fehlerhaft – nach „Houserules“ trifft die Sache am besten.

Wichtig ist es, die Regeln des Spiels zu kennen, das man gerade spielt, nicht diese berichtigen zu wollen. Edge ist es, was man als erfolgreicher Pokerspieler braucht und dieses hat man oder eben nicht. Regeln versuchen lediglich einen fairen Rahmen zu bieten.

Morgen werde ich das Protokoll etwas personalisieren, schreiben, was ich denke und tue, ehe ich mich für eine reale Tat anstelle der virtuellen Schaltflächen Fold, Call oder Raise entscheide.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer

the-gambling-institute.de

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