Autor: Stephan Kalhamer | Gespeichert unter Allgemeines
Hallo FTP Community,
Rockets, Kings und Queens, dazu AK, habe ich bisher behandelt. Immer stand der Tradeoff zwischen Handstärke preflop und den Aussichten postflop im Focus – ein Luxusproblem, das man sich nur in diesem erlauchten Kreis von Starthänden erlauben durfte…
Jacks ist das Hemd näher als der Rock. Sie müssen sich zuerst damit beschäftigen, ob sie die gegnerische Hand schlagen, dann erst dürfen sie abwägen, wann bzw. wie. Denn Jacks haben bereits in raised Pots viele Feinde:
Ein potentieller gegnerischer Handrange von knapp 20% Abdeckung umfasst z.B.
AA-22, was ca. 6% Auftrittswahrscheinlichkeit entspricht (pro Paar die bekannten 0,45%),
AK-A8, was ex ante zu ca. 7% vorkommt sowie
KQ, KJ, QJ und „etwas suited Beiwerk“, was ebenfalls mit etwa 6% auftritt.
Jacks stehen in diesem Handrange bis zum River gerechnet gegen etwa 2/3 (TT-22, AJ-A8, KJ, QJ, sonstiges) als Favorit, gegen 2/9 (AK, AQ, KQ) durchschnittlich und schließlich gegen 1/9 (AA-QQ) als Dog.
In reraised Pots fallen dann die den Jacks angenehmen Hände durchs Raster. So umfasst ein potentieller Handränge von noch gut 5% die besseren ca. 6 Paare (AA-QQ, TT-88) und vielleicht 3 Nonpairkombos (z.B.: AK, AQ, KQ). Gegen diesen Handrange haben Jacks keinen Value mehr. Sie sind genauso oft genauso stark geschlagen wie sie vorne liegen.
Jacks nehmen es also bei Leibe nicht in jeder Situation mit jedem Gegenspiel auf. Unraised – also gegen eine Randomhand – sind sie eine Macht, in raised Pots haben Sie noch immer viel Value, doch schon in ernst zu nehmenden Reraiseszenarien, sind sie genauso oft geschlagen wie in Führung. Die Kunst Jacks profitabel zu spielen liegt also darin, möglichst unauffällig das Feld zu selektieren. Ziel ist es, eine Heads Up Situation herzustellen ohne zu viel Wind zu machen – kein leichtes Unterfangen.
Je looser das eigene Image, desto bereitwilliger wird ein Openraise oder Reraise bezahlt. Ist das eigene Image jedoch erzkonservativ und/oder die Gegner extrem geizig, so sind Jacks schwer zu spielen. In solchen Extremfällen sollte man den Preflopvalue von Jacks gegen die Chance auf einen guten Flop tauschen. Immerhin bescheren etwa die Hälfte aller Flops den Jacks ein Dasein als Overpair oder besser. Dann gehen wir mit dem Flop. Wir gehen also gegen die Paare höher als Jacks genauso broke wie preflop, aber jetzt haben wir all die unterlegenen Hände im Spiel und geben diesen die Chance, einen gravierenden Fehler zu begehen. Oft klappt dies auch, weil wir preflop durch den ausgebliebenen Reraise, unsere wahre Handstärke verborgen haben.
Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
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