Autor: Sascha Biorac | Gespeichert unter Allgemeines
Dass man nicht nur nach seinen eigenen Karten spielen darf, sollte man beim Poker schnell begreifen. Manchmal diktieren nicht die Karten im Board, sondern die Gegner die Spielweise.
Folgende Situation:
$100/$200 NLH Heads-Up
Wir haben Asse im Big Blind. Der Button raised, wir machen ein Reraise und der Button callt.
So starten etwa 40% der Hände, insofern kann man noch nicht viel über die Karten meines Gegners sagen.
Der Flop ist 5-9-7 rainbow. Wir spielen an.
Wir bekommen sofort ein Raise.
Hier entscheidet sich nun die Hand, wie man sie profitabel weiterspielt.
Es gibt Gegner, die spielen so durchsichtig, dass man stupide bet-fold spielen kann. D.h. so lange wetten, bis sie uns raisen und dann nur mit Top Two oder besser bezahlen. Gegen solche Gegner ist ein Overpair hier nichts wert, auch wenn es ärgerlich ist. Dafür gewinnen wir genug in den anderen Pötten.
Ist unser Gegner dagegen etwas munterer unterwegs und versucht kreativ an Chips zu kommen, sollte man ihm seinen Spieltrieb lassen. Und einfach callen.
Die Turnkarte ist eine 9.
Selbst wenn wir noch gegen den bet-fold-Gegner gecallt hätten, wäre hier nun Ende. Er hat entweder eine Straße oder jetzt ein Full House, kein Grund mehr Chips zu investieren.
Gegen den Kreativen ist hier ein check-call auch wieder profitabel, weil er unseren Check als Schwäche sehen wird und wettet. Wiederum callen wir nur.
River ist eine 10 und macht einen backdoor Flush möglich.
Wir checken wieder um noch einmal einen Bluff zu provozieren.
Unser Gegner geht all-in. Beim Kreativen kann man hier callen. In einem aktuellen Beispiel hatte dieser 42 und damit das Board gespielt. Logisch auch, dass er noch einmal den River bluffen muss, weil er kein Showdown-Value hat. Hätte er die 10 getroffen oder die 7 würde er eher checken.
Macht euch deshalb nicht nur über die Karten und die Position Gedanken, sondern auch über die Spielweise eurer Gegner. Im obigen Beispiel verliert man das Minimum gegen den bet-fold-Typen und gewinnt das Maximum gegen den Kreativen. Hätten wir gegen Letzteren zu irgendeinem Zeitpunkt mit einem Raise nach dem Flop oder Turn Stärke gezeigt, hätte er gefoldet und wir hätten weniger Chips gewonnen.
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