Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

Hallo FTP Community,

in einem Brick’n'Mortar Freezeout mit 10k Startstack setzte sich ein Nachkäufer in Level 3 direkt zu meiner Rechten. Er openlimpte unmitelbar 200 mit ca. 9k behind seinen CO und ich raiste meinen Button auf 1,1k.

Der tighte aber breits stark dezimierte Big Blind bezahlte zu meiner Überraschung. Ebenso tat es der Openlimper. Ich sah mit AT also einen Flop, war mit aber keineswegs sicher, ob ein Treffer gut für mich wäre. Doch 36J stellte diese Frage nicht. BB spielte und committete sich damit, Der Limpcaller fand sein A3 hier gut und verdoppelte den BB, der KK hielt. Dem Limper blieben ca. 6k. Mein Stack lag bei vielleicht 13k, weil es im Vorfeld recht gut gelaufen war. Gegen den Neuen wollte ich also spielen und das schnell, denn lange würde er imo nicht bleiben.

A9 schien mir wenig später gut, um ein Raise von ihm auch ohne wirklich Foldequity zu pushen. Er snapcallte mit AK. Wir tauschten im wesentlichen chiptechnisch die Rollen. Dann fand ich bei 200-400 und 25 Antes 44 und pushte gegen sein lates Openlimp. Er überlegte, ich stellte mich auf einen Flip ein. Dann zahlte er mit QQ. Ich traf eine 4 am Flop und er am River eine Q, er entschuldigte sich und ich stand irritert auf.

Warum entschuldigt er sich? Warum zögert er beim Call mit QQ? Warum snapt er vorher mit AK? Um ehrlich zu sein: ich habe keine einzige seiner Aktionen oder begleitenden Gesten und Aussagen verstanden. Im Nachhinein erkläre ich es mir so: Der Spieler weiss nicht, welche Karte wie steht. Welche Chancen und welche Risiken sie wann hat. Er denkt in Erfahrungswerten und hofft auf Treffer, an die er sich gut erinnern kann. Er beurteilt Spiele, dann als gut, wenn er gewinnt und dann als schlecht, wenn er sie verliert.

Nur so ist zu erklären, warum er im ersten Spiel mit A3 nachzahlt und dann an den Hit glaubt, warum er so freudig mit AK auf meine massive 3-Bet hin zahlt, nach seiner QQ Limptrap aber ehrlich Bauchschmerzen hat: QQ ist Made und kann deshalb noch überholt werden. Nonpairs aber sind Draws, können sich noch entwickeln. Das mag er sehen. Er mag hoffen, dass er selbst trifft, nicht bangen, dass der Gegner noch hitet. Das Ganze gipfelt als ich ihn als 1:4 Dog kurzfristig per Set am Flop überhole. Hier sieht er sich darin bestätigt, dass QQ eben nur allzu leicht fällt. Darum tut es ihm auch Leid, dass er am River redrawt: es bestätigt ihn nicht in seinem Denken.

Ich jedenfalls würde die Hände gegen die Action, die ich sah, wieder so aggressiv und schnell spielen, auch wenn es jetzt so anmutet, dass ich nur hinten war. Denn die erste Aktion mit A3 war so teuer und so defizitär, dass sie keine bewusste Werbung sein konnte. Hier liegen so eindeutig vakante Chips, die zudem nicht lange da sein werden, dass ich den Anspruch an meine Hände gerne lockere – auch wenn ich weiss, dass auch in weiten Ranges Monster stecken, nur eben nicht so häufig…

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer für

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