Markus Golser Markus Golser

So gut ich Tag 1 des Main Events der CAPT Graz beenden konnte, so schlecht ging Tag 2 los.

Ich habe von Beginn an die Initiative an meinem Tisch übernommen und damit ist mein Stack um fast 30 Prozent geschrumpft. Dreißig Prozent tun in dieser späten Phase des Turniers natürlich weh. Trotzdem konnte ich meinen Stack durch Preflop-Spiele langsam wieder aufbauen, was in dieser Phase durch die hohen Blinds und Antes natürlich einfacher ist, als zu Beginn eines Turniers. Das Feld dezimierte sich langsam und als wir nur noch 11 Spieler waren, also um die Bubble spielten, kam es zu folgender Situation: ich raise in mittlerer Position mit einem Paar 7. Der Spieler im Big Blind, Piotr Jopp – der spätere Gewinner des Turniers – überlegt kurz und schiebt All-in, ich calle. Als mein Gegner seine Karten umdreht, ist die Freude groß, denn er zeigt mir ein Paar Fünf, doch die Freude ist, wie sooft beim Poker, nur von kurzer Dauer, den am Flop grinst mir schon eine höhnische Fünf entgegen und auch Turn und River fällt es nicht ein, mir eine rettende Sieben zu liefern. Mit dieser Aktion war mein Stack auf 60k geschrumpft, bei einem Average von 100k, aber schon nach kurzer Zeit und ganz ohne Showdown betrug er schon wieder 95k.

 

 

Nur wenig später, immer noch während des Spiels um den Bubble, bekomme ich ein Paar Könige geteilt. Ich sitze in Position UTG+3 und raise auf 22k. Die junge Berlinerin Sandra Naujoks, die ich übrigens für eine sehr talentierte Spielerin halte, da sie zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Turnier dieser Größenordnung teilgenommen hat, und gleich mal Platz 5 belegte, raist mich All-In. Ich calle mehr oder weniger ohne nachzudenken, logisch denn ich fühle mich mit meinen Cowboys ziemlich konfortable. Als sie mir A-Qs zeigt, beschließe ich, mich diesmal nicht zu früh zu freuen, und welch weise Entscheidung, denn schon wieder haut mir der Flop mit einer Ass meine schönen Könige um die Ohren. Wieder bringen Turn und River mir keine Hilfe.

 

Doch nur zwei Spiele später setzte ich zur Revange an. Diesmal bin ich es, der seinen gesamten Stack in die Mitte schiebt. Meine Position war UTG+1 und die erste Karte die ich geteilt bekam, war eine Ass. Mein All-in habe ich announciert, ohne mir die zweite Karten anzusehen. Tatsächlich callte mich Sandra Naujoks, was sie 40.500 in Chips kostete. Als ich meine Karten umdrehe, entpuppt sich meine zweite Karte als eine Drei, Sandra hält schon wieder A-Q, diesmal offsuit. Der Flop brachte 9-T-J, ohne Chance auf Backdoorflushdraw für mich. Alles was mich nun vor dem Ausscheiden auf der leidigen Position des Bubbles bewahren konnte, war eine Drei. Der Turn brachte eine 7, die wäre mir einige Spiele früher lieber gewesen. Ich beginne schon mich in Gedanken mit dem elften Platz abzufinden, als tatsächlich eine Drei auf dem River fällt. Wow, doch nicht der Bubble-Boy des Main Events, Rettung in letzter Sekunde. Zu Sandra meine ich, dass es doch ein bisschen Gerechtigkeit gibt im Poker, und dass dieses Spiel sicher nicht unsere letzte Begegnung am Tisch gewesen ist.

Als der Bubble-Boy des Main Event endlich gefunden war – Tobias Reinkemeier bekam den wenig ehrenvollen Titel – verabschiedeten wir uns erstmal in eine Pause. Meine Stacksize war leider nicht so berauschend, dass sie es mir erlaubt hätte, eine ruhige Kugel zu schieben und mit einem Blick auf die Preisgelder entschied ich mich dafür, richtig Druck zu machen solang es eben geht.

Dann kam es zu folgendem Spiel: in mittlerer Position raise ich mit Qh-9h und werde von einem Spieler gecallt, nein eigentlich von einer Spielerin. Richtig, es ist schon wieder Sandra Naujoks, mit der ich mich um die Chips battle. Der Flop kam mit Jc-Tc-7h, im Pot befanden sich zu diesem Zeitpunkt 67k. Nach meinem Preflop-Raise blieben mir genau noch 66.500 Chips, so beschloss ich All-in zu gehen, Sandra callte mit A-J. Turn und River wieder mal keine Hilfe für mich und so musste ich mich als Erster vom Finaltisch verabschieden. Platz 10 ist es geworden, ich musste mich mit einem Preisgeld von 3190 Euro begnügen. Ich sehe die Endphase meines Turniers ambivalent. Hätte ich mit 77 gegen 55 und mit KK gegen AQ gewonnen, wäre ich überlegener Chipleader gewesen, wäre hingegen nicht die Drei am River mir in der Bubble-Phase zur Hilfe geeilt, wäre ich ganz leer ausgegangen. Alles in allem war es wieder mal ein sehr gut organisiertes Turnier. Mir gefällt diese CAPT Serie überhaupt sehr gut, denn nach all den Jahren die ich nun im Ausland Poker gespielt habe, schätze ich es umso mehr im deutschsprachigen Raum Poker zu spielen.

 

Bis bald

Euer Markus Golser/jumper17.com

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