Autor: Markus Golser | Gespeichert unter Allgemeines
Hast du dich als Kind vor den vermeintlichen Monstern unter deinem Bett gefürchtet? Dann gehörst du heute vielleicht zu jener Sorte Spieler,…
Hast du dich als Kind vor den vermeintlichen Monstern unter deinem Bett gefürchtet? Dann gehörst du heute vielleicht zu jener Sorte Spieler, die sich ständig dafür fürchten, dass ihre Gegner ein so genanntes (Karten-)Monster halten. Was aber tust du, wenn du selbst ein Monster geteilt bekommst? Verkriechst du dich dann unter den Tisch?
Dazu besteht überhaupt keine Veranlassung, denn man muss nur wissen, wie man Monster richtig spielt. Was, du weißt nicht, was mit Monster gemeint ist? Wie du dir vermutlich schon gedacht hast, steht die Bezeichnung im Poker nicht für grüne, schleimige Ungeheuer, sondern für verdammt starke Hände. Preflop sind damit die Hole-Cards Ass-Ass, König-König und Dame-Dame gemeint. Bessere Hole-Cards als diese kann man nicht geteilt bekommen, aber gerade dieser Umstand kann einen mit solchen Karten in eine sehr unangenehme Situation bringen, da viele Spieler diese Kombinationen nur schwer loslassen können, obwohl sie die Hand von Anfang an alles andere als optimal gespielt haben.
Ganz ehrlich, es ist wirklich verdammt hart, sich von einer Hand wie K-K zu trennen, doch ein wirklich guter Spieler wird die Hand aufgeben, wenn er merkt, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit geschlagen ist. Um diese Wahrscheinlichkeit relativ niedrig zu halten, rate ich dir dazu, Monster aggressiv zu spielen. Aber, du ahnst es vielleicht schon, es gibt wie immer kein Patentrezept. Du musst auf deine Gegner achten, sie beobachten und daraus die Schlüsse ziehen, wie du deine Monster am Besten spielst.
Augen auf
An dieser Stelle möchte ich betonen, wie wichtig es ist, dass du deine Gegner nicht erst in der Hand beobachtest, in der du involviert bist. Nütze die Zeit, in der du dich nicht mit in einer Hand befindest, um deine Gegner zu studieren. So sammelst du wichtige Informationen, die du später zu deinem Vorteil nutzen kannst. Gibt es einen Spieler am Tisch, der fast mit jeder Hand mitgeht und auch nach dem Flop gerne noch einen Raise macht, obwohl er rein gar nichts getroffen hat? Hast du solch einen Spieler entlarvt, kannst du mit einer Hand wie A-A schon mal ein bisschen weniger aggressiv spielen, denn dein Mitspieler wird mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit deinen Einsatz raisen. Du kannst es gegen diesen Spieler sogar riskieren, mit einem Check in die Setzrunde zu gehen, weil er ziemlich sicher einen Bet machen wird, und du hast die perfekte Gelegenheit ein schönes Check-Raise zu platzieren. Diese Spielweise kann dir mit einem aggressiven Spieler viele Chips einbringen.
Ganz anders solltest du dein Spiel mit einem Pre-Flop Monster gestalten, wenn du gegen einen passiven Spieler spielst. Du kannst davon ausgehen, dass er auf ein Check von dir nicht mit einem Einsatz antworten wird. Da es aber dein Ziel sein sollte, möglichst viele Chips aus deiner Monsterhand zu machen, solltest du gegen einen passiven Spieler jedenfalls mit einem Bet in die Setzrunde gehen.
Fallstrick Slow Play
Was du auch in jedem Fall im Auge behalten solltest, sind deine Setzposition sowie die Anzahl der Spieler in der Hand. Nehmen wir also folgende Situation an: Du findest zwei in der Hoffnung, dass es nach dir zu einem Raise kommt, so dass du dann noch mal erhöhen kannst. Das ist allerdings eine sehr riskante Variante, denn was passiert, wenn nach dir niemand raist? Du darfst nicht vergessen, dass der Wert von zwei Königen rapide abnimmt, sobald ein Ass am Board erscheint. Erst recht dann, wenn viele Spieler in den Pot involviert sind, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass jemand ein Ass hält, und du verlierst möglicherweise deine Könige gegen Karten wie A-3o. Später wirst du dann vielleicht deinen Freunden von deinem unglaublichen Pech beim Poker erzählen, dabei bist du selbst schuld gewesen. Du hast deinen Gegner durch dein Slow-Play – also durch das Nicht-Erhöhen mit einer starken Hand – erst die Möglichkeit gegeben, mit schlechten Karten mitzugehen. Aber es geht noch schlimmer. Nehmen wir an, der Big Blind hält 7-5o. Du hältst zwei Könige in früher Position und callst nur anstatt zu raisen. Bis zum Big Blind gibt es keine Action und auch der checkt nur, denn Karten wie 7-5o laden nicht unbedingt zu einem Move ein. Nun bringt der Flop 6-4-3. Voilà, schon ist es passiert. Spielt der Big Blind nun einigermaßen clever, kann dein schönes Pre-Flop Monster zur tödlichen Falle werden, denn das echte Monster liegt nun im Big Blind.
So eine Aktion kann dich schneller aus dem Turnier befördern als du glaubst, dabei hätte doch alles so schön sein können, hättest du nur schon vor dem Flop geraist. Dasselbe wäre dir auch mit A-A passiert, also Vorsicht! Natürlich darf man beim Poker Spielen nicht immer gleich vom Schlimmsten ausgehen, aber man sollte sich unter keinen Umständen mit einem Pre-Flop Monster unbezwingbar fühlen, denn das ist man bei Weitem nicht.
Tischeinschätzung
Neben der Beobachtung deiner Gegner ist auch die insgesamte Einschätzung deines Tisches beim Spielen von Monstern wie A-A von großer Bedeutung. Sitzt du zum Beispiel auf einem supertighten Tisch, an dem alle Spieler Pre-Flop beim kleinsten Raise folden? Dann solltest du deine Spielweise mit Monstern dieser Situation auch anpassen. Dann und wirklich nur dann ist es ok, mit einem Monster nicht zu raisen, zumal wenn du selbst auch ein tightes Image hast. Ein Raise in dieser Situation würde deine Gegner sofort zu der Einschätzung bringen, dass du verdammt gute Karten hältst, eben ein Monster. Und das willst du doch vermeiden.
Warst du vorher schon durchwegs der Aggressor, weil du die tighte Situation für dich genützt hast, kannst du auch versuchen, mit Monstern zu raisen, weil dir niemand eine richtig starke Hand glauben wird. Sitzt du an einem extrem aggressiven Tisch in früher oder mittlerer Position, darf dein Raise ruhig etwas kleiner ausfallen, da du damit rechnen kannst, dass es nach dir noch ein Re-raise geben wird.
Der große Vorteil von aggressivem Spiel mit Monstern ist die Menge der Chips, die du damit gewinnen kannst. Spielst du passiv, ist nicht nur die Wahrscheinlichkeit zu hoch, dass jemand eine bessere Hand baut, als du sie vom Start weg hältst, sondern dein Ertrag mit einer super-starken Hand ist einfach zu niedrig.
Alles oder nichts
Gehen wir nun davon aus, dass du dein Paar Könige Pre-Flop geraist hast und sich außer dir noch drei weitere Spieler im Pot befinden. Nun kommt die Stunde der Entscheidung, denn jetzt geht es darum, deine Gegner richtig einzuschätzen. Du sitzt in früher Position, und der Flop birgt die Gefahr eines Flush, einer Straße oder bringt ein Ass. Jetzt solltest du auf keinen Fall checken, aber setzte deinen Bet auch nicht zu hoch an, damit du gegebenenfalls noch möglichst unversehrt aus der Hand raus kommst. Natürlich darf dein Bet auch nicht zu niedrig ausfallen, denn sonst gibst du deinen Gegnern die Chance, billig eine weitere Karte zu sehen, und das willst du bei einem solchen Flop unter allen Umständen vermeiden.
Wichtig ist auch hier: Welche Aktion wird von welchem Spieler in welcher Position gesetzt. Nehmen wir an, der Spieler am Button neigt dazu, sehr tight zu spielen. Nach einem Flop mit Flush-Gefahr callt er deinen Bet, alle anderen Spieler folden. Jetzt solltest du wirklich auf der Hut sein. Geh mit deinem Monster nun lieber in die Defensive.
Bringt der Flop Karten wie etwa Q-J-7 Rainbow, solltest du deine Könige stark spielen, denn es besteht die Chance, dass dein Gegner auf einem Draw sitzt. Du darfst nicht riskieren, dass er sich billig die nächste Karte anschauen kann, denn dann bist du vielleicht schon geschlagen.
Ein Fold ist keine Schande
Wie bereits erwähnt: Ein guter Spieler kann auch Könige oder sogar Asse folden, wenn es notwendig ist, und es ist keine Schande, ein Monster zu folden, wenn man das Gefühl hat, dass man geschlagen ist. Ganz im Gegenteil wird es dir einigen Respekt einbringen, weil es zeigt, dass du stets überlegt spielst und dich nicht von Emotionen und „scheinbar“ starken Händen leiten lässt. Bedenke: Genauso gut wie 7-2o durch den Flop zur Gewinnerhand werden kann, kann eine Hand wie A-A durch den Flop zur Verliererhand werden. Beides ist möglich, und das ist eben Poker.
Merkst du langsam, warum die Spielerfahrung das Allerwichtigste beim Poker Spielen ist? Man kann noch so viele Theoriebücher studieren und sich gute Ratschläge einholen, aber es gibt eben so unendlich viele Möglichkeiten, wie man ein und dieselben Karten spielen kann. Deshalb ist auch die Einschätzung der Situation so verdammt wichtig, und dafür ein Gespür zu entwickeln braucht sehr viel Übung.
Bis zum nächsten Mal
Euer Markus
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