Posted by Stephan Kalhamer | Filed under Allgemeines
Hallo FTP Community,
in WPT Venice – ein Hauch von Homegame hatte ich euch nebst eines Exkurses über selektive Wahrnehmung den Day 2 Tisch 10 mit Chad Brown, Sandra Naujoks und Jürgen Bachmann vorgestellt. Das Result blieb ich schuldig.
Zur Erinnerung: Die Lage sah für mich in etwa wie folgt aus.
„Technisch gesehen gefällt mir Chads Seat sehr gut, weil er Position auf die anderen Bigstacks hat. Jürgens Seat gefällt mir besser als Sandras, weil er eher am Anfang der Shortyreihe ist, so kann er leichter pushen als die anderen callen können. Aber Worte sind Schall und Rauch. Wir werden sehen. Ich bin gespannt.“
In Pixeln sieht das so aus:
Wie ging es nun weiter?
Kühl formuliert – nach Erwartung. Sandra entschied sich innerhalb ihres fast schon tragischen Handlungshorizonts für mögliche Openpushes aus late Position und damit gegen die einzige Alternative: early Pushes.
Für early Pushes in ihrer Situation spricht die größere Glaubwürdigkeit und der spieltheoretische Aspekt, dass die Big Stacks zuerst entscheiden müssen. Das ist deshalb ein Vorteil, weil es dadurch dem gesamten Feld nicht möglich ist, marginal zu callen: Die Großen könnten es sich zwar leisten, fürchten aber die Kleinen im Rücken und die Kleinen riskieren selbst nahezu alles.
Gegen early Pushes spricht die Vielzahl des Gegnerfelds. Angenommen nur Paare ab 99 und gute Ass Kombinationen bis AJ callen, so hält ein Gegner eine solche Hand in nur 6,3% (6 x 0,45% + 3 x 1,2%). Doch haben alle diese Chance! Pusht Sandra also z.B. nach zwei Folds in UTG+2 gegen sechs potentielle Caller, so ergebe dies nach einer mathematisch nicht ganz astreinen Multiplikation der Einzelwahrscheinlichkeiten eine 37,8% große Chance auf eine Qualitätshand zu treffen und Favorit auf Exit zu sein.
Für bzw. gegen late Pushes sprechen die jeweiligen Kehrseiten der genannten Argumente.
Sandra hatte es also wie prognostiziert unschön erlost, entschied sich für late Pushes, wurde beim zweiten Mal ertappt und gekillt.
Leichter hatte es Jürgen. Seine Late-Push-Spots konnte er gegen andere Shortys richten, was seine Lebenserwartung sowohl theoretisch als auch praktisch erhöhte. Er pushte sich ungecallt durch zwei Level, blieb short und fand schließlich im Small Blind 99 gegen den Cutoffopenpush eines anderen Shortys. Ein Call – auch aus meiner Sicht. Jürgen verliert den Coinflip gegen KJ und ist ausgeschieden.
Ich schrieb ja zu Beginn, dass es „nach Erwartung“ lief. Shortys scheiden erwartungsgemäß aus, Chads Overaveragestack schafft es ins Geld. Und zwar so:
„stephan, i cashed, coming in 45th and was happy about it. i had a ruff day all day. in the 1st level i had ak, ak suited, aq, aq and aces. i lost 20k total. when we were close to the money i was a little below chip avg. i called a raise preflop with jjs from a tight player and the flop was ak9. he bet and i folded. the next hand i played i had qqs and raised under the gun. got called by a agressive player. flop was k25. i checked and he checked. the turn was a j. i checked and he bet. i called. the river was a 10. i checked and he bet. i called and he had kq. i was very short and was hoping to get into the money at that point, which i accomplished.“
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Stephan M. Kalhamer
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