Posted by Stephan Kalhamer | Filed under Allgemeines
Hallo FTP Community,
heute will ich mal wieder ein wenig übers Mass-tabling schreiben. Letztlich geht es doch um Effizienz: wer ein Turnier mit 16% ROI schlagen kann, fährt genauso gut, wenn er zwei simultan zu 8% schlägt. Wer sollte also was tun?
Jeder Spieler hat individuelle Grenzen. Dem einen sind sie durch seine Bankroll, dem anderen durch die ihm zur Verfügung stehende Zeit und einem Dritten durch seine Fähigkeiten am Pokertisch gesetzt. Clevere Spieler wissen viel über sich selbst und setzen die vorhandenen Fähigkeiten nahe am persönlichen Optimum ein.
Mit Spielern, die mit mir Individualcoaching machen, versuche ich diese Fragestellung zu klären. Welchen Anspruch hat ein Spieler an seine Stunde am Pokertisch? Sagen wir, er ist Student in Österreich und möchte anstatt zu bar-keepern Poker spielen. $500 pro Monat fände er OK. $1.000 ist er bereit zu riskieren.
Er könnte sich für SnGs entscheiden. Für $500 erwartetem Profit braucht er bei 16% ROI gut $3.000 Umsatz. Spielt er ein $33+3 Turnier und dauert die non-turbo Fullring Version etwa 50 Minuten, so braucht er etwa 20 Stunden pro Woche und kommt auf einen „Stundenlohn“ von gut $6. Da ist mancher Barkeeper bei weitem besser bezahlt. Unser Student ist aber herausragend „ausgebildet“. Er schlägt die $33+3 Turniere zu 16%. Das ist heutzutage top! An seinem Pokerskill ist also kaum etwas zu verbessern, wohl aber am Design seiner Tätigkeit.
Spielte er mehr Turniere gleichzeitig, so würde er seinen erwarteten Gewinn entsprechend vervielfachen, könnte er seine Entscheidungsqualität halten. Natürlich kann er das mit zunehmender Quantität irgendwann nicht mehr. Trotzdem kann es sich lohnen. Man muss es individuell austesten. Schlägt unser Student 2 Turniere zu 12%, 4 zu 8%, 8 zu 6% und 16 zu 2%, so verdient er pro Durchgang bei einem simultanen Turnier 16% eines Buyins, bei zwei 24%, bei vier 32%, bei acht 48% und schließlich bei sechszehn 32%. Acht simultane Turniere wären also das persönliche Optimum ceteris paribus.
Nun ist eine Pokerentscheidung aber immer eingebettet in ihren Kontext. Burnout ist ein großes Thema. Kann der Spieler, den nun achtfachen Stress mittelfristig verdauen oder nimmt seine Leistung schnell ab? Das Bustrisiko ist ebenfalls nicht zu verachten. Geringere Überlegenheit schraubt die Varianz in die Höhe und die Bankroll hat einen Startwert von nur 30 Buyins.
So kann es Sinn machen, billiger zu spielen. Spielt man beispielsweise anstatt der 33er nun nur 22er, so kann es sein, dass man aus dem neuen Gegnerfeld mehr ROI ziehen kann und somit die Stundensatzeinbuse, die aus dem geringeren Umsatz resultiert, durch den erhöhten ROI kompensiert wird.
Ebenso kann es Sinn machen, auf Turniere mit kürzerer Spielzeit umzusteigen. Vielleicht bezieht der Spieler sein Edge mehr über Aggression als über Geduld, dann würden Turbovarianten oder Shorthanded Tische kaum Edge kosten, aber man bräuchte weniger Zeit für den selben Umsatz und hätte so einen erhöhten Profit auf die gleiche Zeit.
Letztlich handelt es sich um ein komplexes Problem, das man kaum generell beantworten kann. Wichtig ist es, bemüht zu sein, die eigenen Stärken einzubringen, Schwächen aber entweder auszumerzen oder kaum zum Tragen kommen zu lassen.
Viel Erfolg!
Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
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