Stefan Rapp Stefan Rapp

In zahlreichen Büchern wurden bereits „optimale Strategien“ vorgestellt. Mit mehr oder weniger mathematischem Aufwand ermittelten die Autoren Bluff-Frequenzen, die korrekten positionsbezogenen Starthände, u.v.m.

In zahlreichen Büchern wurden bereits „optimale Strategien“ vorgestellt. Mit mehr oder weniger mathematischem Aufwand ermittelten die Autoren Bluff-Frequenzen, die korrekten positionsbezogenen Starthände, u.v.m.

Zunächst sollte jedoch der Begriff „optimal“ einmal geklärt werden. Dieser Begriff stammt aus der Spieltheorie (Teilgebiet der Mathematik), und kann durch die Verwendung in der Alltagssprache leicht missverstanden werden. Die „optimale Strategie“ zielt darauf ab, sich gegen jede nur denkbare Strategie bestmöglich zu verteidigen. Der große Vorteil liegt darin, dass sich nicht einmal der beste Pokerspieler gegen „optimales“ Spiel einen mathematischen Vorteil sichern kann.  Selbst wenn ich meine Strategie öffentlich mache, hätte ich dadurch keinen Nachteil zu befürchten. Ist es daher ratsam sich immer an die optimale Strategie zu halten?

Die „optimale Strategie“ versucht nicht den Gewinn zu maximieren, was bei Poker oberstes Ziel ist!
Wenn ich geeignete Informationen habe, kann es durchaus sinnvoll sein, vom „optimalen“ Spiel abzuweichen, um die „Fehler“ der Gegner auszunutzen. Mir sollte jedoch immer bewusst sein, warum ich meine Strategie geändert habe, und diese Erkenntnis nicht als Ausrede für zu looses oder zu aggressives Spiel missbrauchen. Auch muss ich dabei sehr sensibel auf Änderungen im Spielverhalten meiner Gegner reagieren, denn nun ist auch meine Strategie angreifbar. Im Poker sind die Mechanismen oft sehr kompliziert, daher möchte ich das Prinzip an einem einfachen Beispiel illustrieren.
Beispiel: Zur Veranschaulichung eignet sich das bekannte Spiel „Schere-Stein-Papier“ sehr gut. Eine optimale Strategie ist hier sehr schnell gefunden. Wähle ich absolut zufällig und mit gleichen Wahrscheinlichkeiten  (1/3 – 1/3 – 1/3)  Schere, Stein oder Papier, so kann sich niemand gegen mich eine positive Erwartung sichern. Habe ich jedoch einen langjährigen Spielpartner, von dem ich weiß, dass  er proportional zu oft Stein nimmt, dann wäre ich sehr dumm an meiner „optimalen“ Strategie festzuhalten.

Die spieltheoretische Antwort auf die „schlechte“ Strategie unseres Gegners wäre zu 100% Papier zu nehmen. Der Hausverstand gebietet jedoch, Papier nur etwas häufiger als 33% zu wählen, da sonst unser Gegner seine Taktik mit Sicherheit schnell anpassen wird …und beim Pokern ist das ganze natürlich noch ein kleines bisschen komplexer…

Euer Stefan

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