Autor: Hans Martin Vogl | Gespeichert unter Allgemeines
Ort: Casino Hohensyburg, Dortmund
Zeit: kurze Pause während der EPT
Hunderte von Spielern und Railbirds eilen aus dem Turniersaal, um die 10-minütige Pause zu nutzen.
Mein erster Weg führt zur Toilette, allerdings ein Stau am Eingang. Links und rechts von mir höre ich nur Handschilderungen der vergangenen zwei Stunden. Dann habe ich Glück und der Weg ins vermeintlich “stille Örtchen” öffnet sich, doch weiterhin links und rechts von mir Palaber über die Erlebnisse.
Mein nächster Weg führt nun raus an die frische – bzw. in die von Tabakrauch getränkte – Luft…und weiter gehts: dieses mal links, rechts, vorn und hinten Stories der letzten beiden Turnierstunden.
Natürlich nicht nur in deutsch, sondern auch in englisch und italienisch…man kommt sich vor wie beim Turmbau zu Babel. Nur mit dem feinen Unterschied, dass man fast alles versteht: Wörter wie all-in, shove, bad beat, fish, turn, river, flop, check etc etc dominieren den Wortschatz, sind international gebräuchlich und man kann sich in Kombination mit der Mimik und Gestik des Erzählenden einen Reim darauf machen wie die Hand zumindest ausging.
Um uns herum standen aber dann zum Ende hauptsächlich deutschsprachige Spieler und – ob man es glaubt oder nicht – scheinbar müssen sie arge Pechvögel sein ( so wie offensichtlich jeder Pokerspieler ).
Man hörte immer nur wieviel Pech sie haben:
- gewinnen sie eine Hand, in der sie Favorit waren, dann ist alles normal
- verlieren sie eine Hand, in der sie Favorit waren, dann hat sich Himmel und Hölle gegen sie verschworen und der Gegner spielte einfach nur schlecht…ist klar
- verlieren sie eine Hand, in die sie als Underdog gingen, dann hatten sie natürlich auch Pech, dass der Gegner so viel Glück hatte, dass er ausgerechnet jetzt eine gute Hand finden muss. Und meistens dürfte er ihrer Meinung nach dann auch nie damit callen, weil ja die Odds nicht stimmen etc etc …sie haben alles richtig gespielt, der Gegner nicht…ist auch ganz klar
- und wie durch ein Wunder hört man auch nie von Händen, wo die Herrschaften als Underdog reingehen und als Sieger aus der Hand kommen… Zufall?
Jedenfalls konnte man am Ende echt den Eindruck gewinnen, dass wir neben den unglücklichsten, am meisten vom Pech verfolgten Leuten stehen, die auf Gottes Erdboden wohnen.
Die zehn Minuten neigen sich auch langsam dem Ende entgegen, die Reihen lichten sich und an einer Ecke steht ein Franzose, der in sich gekehrt genüßlich an seiner Zigarette zieht.
Und dann auf einmal sagt Sascha Biorac staubtrocken: ” Der Franzose hats gut, der versteht den ganzen Mist nicht”.
Mit einem Lächeln auf den Lippen gings wieder zurück in den Turniersaal mit der Hoffnung, die nächste Pause wieder zu erreichen und den Irrsinn erneut erleben zu dürfen.
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