Michael Berkholz Michael Berkholz

In der aktuellen Ausgabe des Magazins ESPN wird Phil auf der Titelseite mit seinem Privatjet zu sehen sein.

Pünktlich zu den November Nine startet die Werbetrommel.

Ich habe mich schon einmal vor kurzem mit ihm zusammengesetzt…

Michael Berkholz: Hallo Phil.

Phil Ivey: Hallo. Ich erinnere mich an dich!

MB: Ja, wir haben letztes Jahr in Mainz… apropos – danke, dass du meinen Job so viel leichter machst!

PI: ??!

MB: Naja, du hast mir letztes Jahr im Interview gesagt, du glaubst fest daran, es wird Jahre geben, in denen du zwei oder mehr Bracelets gewinnst…

PI: Siehste! Ich bin – wie heißt der Typ der die Zukunft… – wie Nostradamus!

MB: Jop. Ziemlich cool. Nun, offensichtlich hast du dir auch vorher schon gedacht, dass ich mit dir über die November Nine reden werden. Und ich frage auch gar nicht nach, ob du dich darüber freust den Final Tables des Main Events erreicht zu haben. Aber was hältst du von der Verzögerung bis November?

PI: Ach, das ist schon okay. Es war ja von vornherein so geplant, um Spannung aufzubauen. Insofern macht mir die Verzögerung nichts aus. Auch weil ich meine Gegner noch vorher in den Fernsehübertragungen sehen kann. Und vielleicht kann ich da etwas entdecken, das mir am Final Table hilft. Und die kennen mich ja auch aus dem Fernsehen. Ich glaube deshalb eher, dass ich dadurch einen kleinen Vorteil habe.

MB: Einen größeren Vorteil hättest du vielleicht sogar, wenn es nicht Hold’em wäre. Du hast dieses Jahr schon wieder zwei Bracelets in anderen Disziplinen gewonnen. Was für Tipps kannst du Fachidioten wie Phil Hellmuth geben, die nur eine Variante können?

PI: Ach, die spielen einfach nicht alle Spiele. Wenn ich Poker spiele, dann kommen zehn verschiedene Varianten vor. Und wir spielen um eine Menge Geld. Da musst du in allen Disziplinen fit sein, das geht gar nicht anders.

MB: Was kannst du dann Anfängern raten, die ihr Pokerspiel generell verbessern wollen? Einfach drauf los spielen?

PI: Ja, spielen, spielen, spielen. Die Varianten, in denen du schlecht bist, solltest du um wenig Geld spielen, bis du besser bist und höhere Limits spielen kannst. Du solltest alle Spiele können, weil sie alle auch zusammen arbeiten und wenn du in einem Spiel gut bist, hilft dir das im nächsten Spiel. So habe ich auch angefangen.

MB: So wird man also zum „besten Spieler der Welt“ – zumindest schreiben das jetzt alle und ESPN hat ja auch schon darüber berichtet. Jetzt fehlt es nur noch, dass sie schreiben, Tiger Woods ist der Phil Ivey des Golfs…

PI: Pffff. (lacht) Jaaa, klar. DAS schreiben die bestimmt bald. Das kommt als allernächstes…

MB: Oder war das andersherum? Wie dem auch sei, du bist offensichtlich sehr talentiert und erfolgreich. War diese Bezeichnung wirklich etwas worauf du gewartet hast?

PI: Nö, weißt du, ich spiel’ einfach nur! Es ehrt mich natürlich, wenn die Leute sagen, ich sei der beste, aber ich versuche dem auch nicht zu viel Bedeutung zu geben. Wenn die Leute glauben, dass ich der beste bin, dann will ich das bleiben! Aber es kommen viele neue Spieler nach und ich hoffe, dass ich diesen Platz behalten kann.

MB: Klingt nach ner ganz schönen Aufgabe…

PI: Ja, es kommen einfach immer neue Spieler nach und die spielen dann nur ein Spiel. Entweder spielen sie nur No-Limit Hold’em oder nur Pot-Limit Omaha. Ich spiele dann letzten Endes immer gegen die besten Spieler in der jeweiligen Variante. Ich muss also herausfinden, wie sie spielen und wenn ich Heads-Up mit ihnen spiele, muss ich einen Weg finden, sie zu schlagen. Das ist schon ziemlich schwer. Ich spiele alle Spiele und diese Spieler haben so viel Zeit in eine Variante gesteckt, dass sie oft besser sind als ich. Zu Beginn bin ich deshalb meist unterlegen, aber mit der Zeit finde ich heraus wie sie spielen und werde zum Favoriten eigentlich gegen jeden meiner Gegner.

MB: Lass uns noch kurz über die Durrrr-Challenge reden. Patrick (Antonius) hat mir erzählt, dass er anfangs Probleme hatte vier Tische gleichzeitig zu spielen. Wäre das für dich leichter?

PI: Nein, ich spiele auch selten so viele Tische gleichzeitig. Aber wir werden sehen. Anfangs wollte ich auch unbedingt spielen, aber jetzt, wo es sich so lange zieht, habe ich schon nicht mehr so viel Lust. Ich meine, ich werde auf jeden Fall spielen, ich habe zugesagt und fühle mich auch verpflichtet dazu.

MB: Nimmst du dazu auch Wetten an?

PI: Ja sicher. Ich wette auf alles, wenn es sich vernünftig anhört.

MB: Ich habe online geschaut, die Buchmacher geben dir eine 6:1 Quote das Main Event zu gewinnen. Was für eine Quote gibt du dir?

PI: Hmm. Ich würde mir eine 5:1 geben.

MB: Ist das also die Zahl um die es geht, wenn Leute mit dir wetten wollen?

PI: Nein, ich nehme natürlich auch 6 oder 7:1 an.

MB: Gibt es irgendjemand am Final Table vor dem du besonders viel Respekt hast?

PI: Nein, ich kenne die Jungs gar nicht. Nur Jeff Shulman. Aber von dem, was ich bisher gesehen habe, können die alle etwas. Ich meine, wer es bis zum Final Table geschafft hat, kann keine totale Niete sein, oder?

MB: Naja, der Chipleader – um mal keine Namen zu nennen…

PI: Ach, du brauchst auch Glück um dorthin zu kommen. Hoffen wir mal, dass er sein ganzes Glück verbraucht hat und ich dort weitermachen kann, wo er aufgehört.

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