Michael Berkholz Michael Berkholz

Wie dringend sich in Deutschland etwas an der Gesetzeslage bzgl. Pokern ändern muss, hat die Messe in Köln verdeutlicht.

 

Wenn Besucher sogar 150km weit anreisen, nur damit sich auf dem Messeturnier einmal live und legal Poker spielen dürfen, dann ist wirklich kaum unfassbar. Mit Erich Kollmann haben wir das Thema gestern beim Abendessen neben ein paar Flaschen Brunello (dank Rino Mathis) diskutiert. Als Österreicher muss man da nun einmal den Kopf schütteln – und gleich aus 2 Gründen:

Ist die Pokerspiellandschaft bei den Kollegen aus dem Süden ein kleines Wunder im Vergleich zu unserem Deutschland. Pokerrooms in denen man legal Cashgames und Turniere spielen kann gibt es wie Sand am Meer bzw. wie Spielverbote in Deutschland.

150 km weit zu fahren, damit man Poker kann – ein solche Distanz kann man in Österreich ja kaum zurück legen, ohne gleich das Land verlassen zu haben.

Für mich das deutlichste Zeichen, wie beliebt und verboten Pokern in Deutschland ist, hab ich am Sonntag Morgen, am 2. Messetag gesehen. Ich war dank australischem Jetlag (sonst waren die Aussie Millions aber ganz nett) bereits um 4 Uhr wach. Das Schnarchen meines Zimmernachbars im Domhotel hat mich auch nicht wieder einschlafen lassen, also hab ich mir gedacht, verliere ich einfach zum Frühsport ein paar SnGs. Und wie könnte man den Morgen besser starten, als mit ein paar 2- bis 4-outern auf dem River. Doch genug von meinem Bad Beat Gejammer, konzentrieren wir uns wieder auf die Messe. Die ganze Geschichte hab ich eigentlich nur geschrieben, um zu erklären, dass ich ungefähr der einzige war, der morgens bei der Ankunft zur Messe schon beide Augen auf hatte und deshalb von allen Beteiligten am meisten überrascht war. (Pokerspieler, die sich entweder online die Nacht um die Ohren schlagen oder sich das Kölner Pacha etwas ausgiebiger anschauen sind selten vor 10 Uhr zu gebrauchen.) Doch zurück zum eigentlichen Ereignis.

Um den Anblick morgens gegen 0930 vor dem Expogelände zu verarbeiten, brauchte ich erstmal ein paar Sekunden. Dort stand, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, bereits eine große Menschentraube, die darauf wartete endlich die Messehalle betreten zu dürfen. Hallo?! Morgens um 9 Uhr?! Bei diesem Wetter?! Habt ihr sonst keine Hobbies?! Und dann wurde mir wieder einmal klar, wie sehr es in Deutschland am Pokerangebot mangelt und wie viele Spieler sich für das Thema interessieren!

Die Messe war dementsprechend an beiden Tagen mehr als nur gut besucht. Klar, das große Turnier hat die meisten Spieler angelockt, schließlich gab es ja auch einen Full Tilt Mini Cooper als Hauptpreis. Selbst die grausige Turnierstruktur, die es mehr zu einer Lotterie machte, schreckte niemanden ab. Klar, ist natürlich verständlich, wenn ich an 2 Tagen mehrere Tausend Spieler habe und am Ende einen Gewinner brauche, dann müssen die Blinds sich rasend schnell erhöhen. Achja, wo wir gerade beim Thema sind.

Der Veranstalter Pokerevents.de hat mit auf der Pokermesse in München im letzten Jahr ein Freiticket in die Hand gedrückt, weil ich dort bei einem SnG Zweiter wurde (nachdem ich Michael Keiner aus dem Turnier geworfen und ein seltsames Trikot dafür als Preis erhielt). Auf dem besagten Ticket steht: Eine Turnierteilnahme frei. Mit diesen Worten bekam ich damals auch die Karte überreicht. Somit war ich der Ansicht, dass ich nun auf irgendeiner Pokermesse, wieder einmal mitspielen darf. Aber, dieser Tipp geht an alle, die von Pokerevents.de solche Gutscheine gewinnen, ihr müsst das Ticket danach ganz nah an eure Nase halten. Denn ihr müsst nämlich riechen, dass dieses Ticket nur einen Monat gültig ist. Aber solche belanglosen Infos erfährt man natürlich weder vom türkischen Veranstalter, noch steht das irgendwo auf der Karte. Diese Erfahrung durfte ich dann dafür in Köln machen. Ein paar anderen Spielern, den ich dies erzählt habe, warfen pokerevents.de einfach nur Abzocke vor, aber so weit würde ich jetzt nicht gehen. Es reicht ja aus, wenn die Jungs in Zukunft einfach einem Freikartengewinner erklären, das er nur einen Monat Zeit hat, die nächste Pokermesse zu finden oder ein Event, das vom gleichen Veranstalter statt findet, zu besuchen. Dazu wäre dann aber sicherlich auch ein Turnierkalender auf deren Homepage sinnvoll oder zumindest ein Event pro Monat im selben Bundesland. Oder sie lassen den ganzen Schwachsinn mit den Freikarten einfach weg.

Was dagegen aber einmal so richtig cool war: Die Besucher durften, wie schon bei der Full Tilt Million Euro Challenge gegen Profispieler Heads-Up und SnGs spielen. Und so standen wieder zahlreiche Spieler in Schlange (diesmal bei angenehmeren Temperaturen) und warteten auf ihre Chance es einem Pro mal so richtig zu zeigen. Als Belohnung gab es dann die Full Tilt Collection, bestehend aus Cap, Tasche, Kartenspiel usw. usf.

Gestern ging es dann weiter nach Dortmund zur EPT. Das wäre zumindest ganz nett gewesen, wäre es dabei auch geblieben. Unser Hotel liegt aber in einem Bochum, dass ein bisschen entfernt vom Dortmunder Casinos ist. Der lokal angesiedelte Ruhrpott’ler wird sich sicher fragen, wie viele Bochum es denn hier gäbe. Nun sagen wir es so: Als wir gestern auf die Begrüßungsplayerwillkommensparty von den Kollegen von Stars gefahren sind begann unsere Route in Bochum. Einige Kilometer weiter verließen wir laut Straßenschildern Bochum und erreichten Dortmund. So weit so gut. Doch dann fuhren wir die Straße weiter und sahen ein neues Schild auf dem wieder Bochum stand. Kurze Zeit später wieder Dortmund, danach wieder Bochum und schließlich wohl das echte Dortmund. Um eventuelle Fragen im Vorfeld zu klären: Ja, es ist eine Frau gefahren. Und ja, ich war noch nüchtern und kann es bezeugen, dass die Straßen- oder Stadtplaner es bei ihrem Job wohl nicht ganz waren. Und nein, wir sind nicht im Kreis gefahren. Vor der Party gab es noch Essen und die oben angesprochenen Brunellos, ein recht junger 2002er Jahrgang, der für sein alter aber schon recht fein war.

Heute hab ich dank den edlen Tropfen offenbar auch mein Jetlag besiegt. Eine Woche lang den Quatsch zu konservieren reicht ja auch. Jetzt geht es gleich zum Casino, wo die Pros sicher schneller sind, liegt ihr Hotel doch nur einen Steinwurf entfernt. Dafür ist es hier aber schön ruhig – wie es auf dem Land nun einmal so ist.

EPT Tag 1 startet heute um 15Uhr. Satelliten Turniere gab es gestern und gibt es heute auch noch einen.

Mal schauen, wie sich die EPT im Vergleich zu den Aussie Millions schlägt.

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