Stefan Rapp Stefan Rapp

Es ist euch sicher auch schon aufgefallen: Bei den meisten Turnierwochen wird kaum mehr eine andere Variante als No Limit Hold’em angeboten.

Ich als einer derjenigen, der noch mit Split Limit Spielen (sowohl Hold’em als auch Seven Card Stud) das Pokern erlernt hat, findet diese Entwicklung sehr schade. Auch im Fernsehen wird fast ausschließlich NLH ausgestrahlt. Es ist also nicht verwunderlich, dass die meisten Pokeranfänger gar keine andere Variante kennen. Ich bin jedoch der Meinung, dass auch Limit Spiele ihren Reiz haben und darüber hinaus, sind sie für Anfänger viel geeigneter! (vor allem im Cash Game, doch dazu mehr in meinem nächsten Blog)

Daher habe ich mir Gedanken gemacht, wie man Limit Varianten beim Pokern in Form von Turnieren wieder beleben könnte. Denjenigen, die schon Limit Turniere gespielt haben, ist sicherlich auch folgendes aufgefallen: In den ersten paar Levels ist es ziemlich egal was passiert, da die Blinds bzw. die Limits sehr klein sind, im Verhältnis zu den Startchips. (Bei NLH sind die Blinds zwar auch zu Beginn sehr klein, trotzdem muss sich jeder Spieler bewusst sein, dass man jederzeit alle Chips verlieren könnte.) Auch die schwersten Fehler werden nicht mit dem Ausscheiden bestraft oder mit einer wesentlich schlechteren Ausgangslage. Bis zur Essenspause ist zumeist kein einziger Spieler ausgeschieden und eigentlich ist noch gar nichts passiert. Einige Levels später ändert sich die Situation für einen Großteil des Feldes dann dramatisch. Plötzlich gerät fast jeder Spieler (auch diejenigen im Average) ordentlich unter Zugzwang. Niemand kann sich mehr leisten, eine Partie zu verlieren ohne dabei fast sein ganzes Stake zu verlieren, da die Blinds nun in Relation zu den durchschnittlichen Chips (es ist ja noch kaum jemand ausgeschieden) viel zu hoch sind. Es ist klar, dass Spieler die Turniere mit so einer Struktur gespielt haben, die Lust auf „Limit“ vergangen ist. Doch leider liefen die meisten Limit Turniere genau so ab!

Zu dem oben geschilderten Problem hab ich mir folgende Lösung überlegt: Der wesentliche Unterschied zu No Limit oder Pot Limit Varianten bei Turnieren im Limit Modus sollte sein, dass die Limits nicht nach einer gewissen Zeit (z.B. alle 30 min) gesteigert werden, sondern nach dem Erreichen eines bestimmten durchschnittlichen Chipsstandes. Damit könnte man relativ einfach erreichen, dass der Average immer in einem vernünftigen Verhältnis zum jeweiligen Limit steht. Man sollte meiner Meinung nach immer zwischen 20 und 25 Big Bets haben, wenn man den durchschnittlichen Chipsstand hat.

Zum besseren Verständnis folgt hier ein kleines Beispiel: Da es auch schon zu Beginn des Turniers interessant sein sollte, könnte man mit 5000 Startchips und dem Limit 100/200 (Blinds 50/100) starten. Dies entspricht 25 Big Bets (25 x 200 = 5000). Die erste Limiterhöhung auf 150/300 (Blinds 75/150) sollte erst erfolgen wenn der Average 7500 beträgt. Damit hat man wieder genau 25 Big Bets. (25 x 300 = 7500) Bei 100 Teilnehmern müssten also 33 Spieler ausscheiden bevor das Limit erhöht wird. Die nächste Erhöhung auf 200/400 (Blinds 100/200) könnte dann erfolgen, wenn sich noch 50 Spieler im Turnier befinden und der Average 10000 beträgt. Abermals hat man genau 25 Big Bets (25 x 400 = 10000), falls man im Schnitt ist. So kann man das fortsetzen bis man auch am Finaltisch mit 10 Spielern, einem Average von 50000 und dem Limit 1000/2000 (Blinds 500/1000), eine faire, gut spielbare Struktur anbieten kann. (25 Big Bets falls man sich im Average befindet). Dieses System bedingt natürlich, dass gegen Ende des Turniers die Limits immer schneller ansteigen. Befinden sich dann nur mehr 2 Spieler im Turnier könnte man das Limit 5000/10000 (Blinds 2500/5000) spielen.

Das obige Beispiel ist natürlich eine „idealtypische“ Lösung (Spieler scheiden von Beginn an gleichmäßig aus; Es gibt viel weniger Levels; Steuerung der „Halbwertszeit“ – wie schnell halbiert sich das Feld;), welche erst einmal in der Realität ausgetestet werden müsste, damit man mögliche Probleme erkennen könnte. (z.B. Wie lange dauert so ein Turnier mit 25 Big Bets im Schnitt, wie lange dauert es mit 20 Big Bets? Braucht man zeitliche Obergrenzen für die Dauer eines Levels, um zu passives Agieren zu verhindern?) Man muss selbstverständlich nicht immer genau 25 Big Bets haben, wenn man im Average ist. Will man ein schnelleres Turnier, so kann dies der Veranstalter ziemlich gut über die Startchips steuern.

Ich habe diesen Vorschlag bereits mit Thomas Kremser besprochen und hoffentlich wird er mal bei einer Turnierwoche getestet. Ich bin davon überzeugt, dass man so Split Limit Spiele (Hold’em, Seven Card Stud aber auch HORSE) bei Turnieren wieder beleben könnte und den eingefleischten NLH Spielern eine spannende Alternative zum „Alltag“ anbieten könnte!

Stefan Rapp

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