Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

Hallo FTP Community,

als ich vor über einem Jahrzehnt bei den Gebirgsjägern von Strub bei Berchtesgaden meinen Wehrdienst ableistete, ging ich immer lieber weiter vorne denn hinten und das aus gutem Grund.

Marschiert man am Berg und kommt ein Hindernis für das der erste 11 Sekunden braucht um es zu überwinden, so entsteht dem Zweiten bereits nach einer Sekunde, denn er ist auf Schritt nach dem ersten in der Reihe, eine Wartezeit von 10 Sekunden, ehe er sich seinerseits an die Überwindung des Hindernisses machen kann. Der nächste wartet bereits 20 Sekunden und so nimmt die Sache ihren Lauf. Der Letzte im 30-köpfigen Zug wartet bereits knapp 5 Minuten ehe er an der Reihe ist.

Diese Wartezeit muss danach über erhöhte Marschgeschwindigkeit wieder reingeholt werden, denn die Herren von der Zugführung vorne warten natürlich nicht nach dem Hindernis, sondern gehen gewohnten Schrittes weiter. Deshalb ist es einfach angenehmer und auch weniger anstrengend vorne dabei zu sein als hinten.

Hier wurde mir zum ersten Mal auch richtig klar, wie ein Stau entsteht. Ich meine einen von der unnötigen Sorte. Bei Unfall oder Straßensperre ist alles unmittelbar klar. Doch oft steht man und fährt dann plötzlich wieder los ohne auch nur einen einzigen Grund für das alles zu erkennen. Dabei ist es relativ einfach: Bremst jemand, so passiert oft nichts. Denn es hat keine Auswirkung auf hinten. Aber manchmal bremst deswegen auch ein Hintermann. Dann kann entweder wieder nichts passieren oder aber es führt zu weiteren Bremsvorgängen weiter hinten. Bei vollen Autobahnen ziehen viele Bremsvorgänge Folgebremsvorgänge nach sich. Und plötzlich bremst einer so abrupt, dass er nahezu halten muss. Das hat fast immer Auswirkungen nach hinten. Und schon steht das erste Auto. Bei dichten Verkehr bedeutet das das Ende. Nun stehen fast gesichert alle und dies immer länger wie man anhand meines Bergsteigerbeispiels von oben leicht einsehen kann. Ebenso geht es irgendwann einfach weiter und keiner weiss genau warum, weil die Ursache ganz unscheinbar war und sowohl zeitlich als auch örtlich an völlig anderer Stelle lag.

All dies hat natürlich – wie soll es anders sein – ein Analogon für das eigene Pokerspiel. In Pokerturnieren werden zu Beginn bei relativ kleinen Pots doch schon entscheidende Weichen gestellt. Habe ich zum Zeitpunkt meines ersten großen Spiels nur 7.000 anstatt von 9.000 meiner anfänglichen 10.000, so verdopple ich auf 14k anstatt auf 18k, danach geht es für weitere drei massive Double or Bust Spiele auf 28k, 56k und 112k oder eben auf 36k, 72k und 144k. Es entsteht eine Schere, die in Wahrheit noch viel massiver ist als im hier skizzierten Modell. Denn große Stacks werden weniger oft gecovert und somit werden die massiven Bets großer Stacks weniger leicht gecallt. Dies ist oft viele weitere Jetons wert. Aus ein wenig zu viel Verspieltheit zu Beginn eines Turniers, kann ein Dasein als Shorty genauso entstehen wie ein ausgewachsener Stau nach einem unbedachten Bremsvorgang.

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer für

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