Stephan Kalhamer Stephan Kalhamer

Hallo FTP Community,

„solange kein Geld im Pot ist, gibt es keinen Anreiz zu spielen.“ steht bei Sklansky zur Einleitung des Kapitel zu Antes.

Recht hat er, wenn gleich die meisten Spieler dennoch zocken würden – einfach, weil es ihnen Spaß macht. Im September habe ich zwei Beiträge über die Idee Hold’em ohne Grundeinsätze (0-0 Hold’em) zu spielen geschrieben und auch einen kleinen Versuch dazu durchgeführt. Real findet Poker also auch ohne Grundeinsätze statt, was so manches über den Durchschnitt des aktuellen taktischen Spielniveaus aussagt.

Aber zurück zum heutigen Kapitel aus Sklanskys Theory of Poker. „Ist andererseits das Ante im Vergleich zu den Betting-Limits zu hoch, verliert das Spiel seinen Sinn.“ heißt es im Folgetext. Auch dies ist uneingeschränkt richtig. Spielt man mit zu hohen forcierten Grundeinsätzen, hat Poker plötzlich viel mit Roulette zu tun, wird zum banalen Glücksspiel. Sklansky hat also Recht, denn damit verliert das Geschicklichkeitsspiel Poker natürlich seinen Sinn.

Oft sehe ich auf den formal relativ günstigen Brick and Mortar Ringgametischen ein solches Phänomen. Jedes Raise wird von jedem bezahlt. Das eigentliches Spiel beginnt erst am Flop.

So wird beispielsweise 1-2 gespielt, doch die erste Erhöhung auf z-B. 12 wird 5 mal bezahlt. Damit kommt der Flop bei einem Pot von gut 70 und mit 6 Parteien zustande. Ist man nun gut 100 BB tief, so kann man evtl. noch Check-Raise spielen, direktes All In ist aber durchaus auch eine Möglichkeit, denn man hat vielleicht noch 3 Mal Potsize behind.

Was schließt man daraus? Der taktische Horizont einer solchen Partie ist für all diejenigen relativ beschränkt, die hier nur mitschwimmen. Man sollte sich wesentlich selektiver ins Flop-Roulette einhängen als die anderen und bereits dadurch Value generieren. Weiter sollte man mit den Preisen spielen, vielleicht einmal 10 BB oder noch mehr open-raisen. Solange eben bis man das Spiel in eine Handselektion gezwungen hat. Darüber hinaus sollte man oft und massiv 3-betten, das Geld also gleich unterbringen anstatt teure Lose auf den Flop ziehen, um dann bei Treffer doch kaum mehr Action zu finden.

Zwischen den beiden Extremen „keine Grundeinsätze“ und „absurd hohe Grundeinsätze“ liegt die Spanne der interessanten Spiele. Je lukrativer es durch die Grundeinsätze ist, eine Hand zu spielen, desto mehr Hände werden profitabel. Die Frage, ob man also eher loose oder lieber tight an ein Spiel herangeht, hängt stark mit der Struktur der Grundeinsätze zusammen. Sklansky schreibt: „Egal wie gut jemand spielt, wenn er für das Ante viel zu loose spielt, gibt er eine Waffe an seine korrekt spielenden Gegner preis.“ Hier schließt sich der Kreis. Real wird es immer genug Spieler geben, die auch bei sehr niedrigen Blinds ultra loose spielen – einfach, weil sie es so wollen. Und das ist auch gut so…

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer

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