Posted by Markus Golser | Filed under Allgemeines
Hier die versprochenen Updates von meinem Aufenthalt bei der WSOP Europe. Wie ihr wisst, bin ich mit einem relativ kleinen Stack in den zweiten Tag des H.O.R.S.E Events gestartet.
Theoretisch ist ja bei einem H.O.R.S.E. Event alles möglich, aber es sollte wohl nicht sein. Bereits wenige Minuten nach Beginn von Tag 2 kam es zu folgender Hand: ich finde 9-9, der Cutoff raist, ich calle. Der Flop bringt 2-4-9 in Karo. Ich checkraise den CO, er callt mich. Der Turn kommt mit einer 8, kein Karo. Ich spiele an und werde wiederum gecallt. Der River bringt die Dd. Und ich muss mich in dieser Hand gegen A-J in Karo meines Gegners geschlagen geben. Nun bleiben mir wirklich kaum noch Chips – gerade mal drei Big Blinds – übrig und so kam drei Hände später, was wohl kommen musste. Ich raise mit einem Paar 5, der Small Blind, David Williams, reraist mich All-in, ich calle. Er zeigt Js-10s und der Flop bringt ihm gleich eine 10 und damit mir das Aus in diesem Turnier.
Ich finde es sehr schade, dass ich aus diesem Turnier ausgeschieden bin, denn das Teilnehmerfeld war hervorragend und es hätte wirklich Spaß gemacht, da noch länger mit dabei zu sein. Sehr schade finde ich es außerdem, dass Ivo Donev „nur“ Zweiter geworden ist und sich damit kein zweites Bracelet sichern konnte. Ich hätte es ihm wirklich vergönnt.
Nach meinem Ausscheiden bin ich dann relativ sauer in mein Hotel gegangen und habe noch ein bisschen Online gespielt, aber auch das war nicht von Erfolg gekrönt. Ich musste einige Bad Beats einstecken. Naja, das gehört eben auch zum Leben eines Pokerspielers.
Am Tag darauf habe ich dann meine Kräfte gesammelt für das dritte Event der World Series of Poker Europe, dem 5.000 Pfund Pot Limit Omaha Turnier für das sich insgesamt 165 Spieler eingekauft haben. Mit dabei auch bei diesem Event der Poker-Adel aus aller Welt.
Mein Tisch war sehr tight und ich habe mir für dieses Turnier ebenfalls eine sehr tighte Strategie zu Recht gelegt. Dieses Turnier gehört sicher zu einem der tightesten das ich meinerseits jemals gespielt habe und so kam es, dass ich meinen Stack kontinuierlich aufbauen konnte. Nach einiger Zeit hatte ich bereits 50.000 in Chips ohne jemals eine All-in Situation gehabt zu haben, oder in einen großen Pot verwickelt zu sein. Dann kam es zu folgender Hand: Ich halte A-A-4-4. Eigentlich hatte ich mir für dieses Turnier vorgenommen, die Asse nicht zu reraisen, aber in diesem Fall konnte ich nicht anders, denn ein Spieler hatte bereits aus Early Position einen Raise gemacht. Der Spieler in EP überlegt kurz und callt. Der Flop bringt 5-8-J rainbow. Nun macht der Spieler aus EP einen Bet von 18.000 – die Potsize beträgt zu diesem Zeitpunkt bereits 28.000, ich entschließe mich dazu All-in zu gehen, der Spieler EP callt mit 6-J-D-10. Turn und River hätten für meinen Gegner kaum schöner sein können. Am Turn die Dame, am River die 6 und Aus der Traum vom großen Pot. Damit war ich runter auf 17.000 Chips und das wieder mal ganz knapp vor Ende des ersten Tages. Das scheint wirklich langsam symptomatisch für mein Turnierspiel zu werden. Ich habe versucht trotzdem die Ruhe zu bewahren und so konnte ich meinen Stack bis zum Ende doch noch mal auf knapp 40.000 aufbauen. Das ist jetzt zwar kein Mörderstack, aber ich denke, man kann damit schon noch spielen. Ich hoffe allerdings, dass es mir diesmal nicht so ergeht, wie beim H.O.R.S.E. Event davor.
Ach ja eine kleine Anekdote habe ich noch zum Abschluss. Sie stammt von Gus Hansen und führt einem vor Augen, wie sehr manche Menschen am Online-Spiel hängen. Zugetragen hat sich die Geschichte bei dem Turnier in Cannes, das dort Anfang September ausgetragen wurde. Unter anderem nahmen daran neben Gus Hansen auch David Benyamine und seine Freundin Erica Schoenberg teil. Gus Hansen an Tag 1A, das Pokerpaar an Tag 1 B. Während David Benyamine am ersten Tag ausschied, hielt sich seine Freundin noch im Turnier. Als die beiden nach Ende von Tag 1B ins Hotel zurückkamen, trafen sie dort auf Gus Hansen, der mit seinen Freunden noch an der Bar saß. Die drei unterhielten sich und nach kurzer Zeit verabschiedeten sich Erica und David und gingen auf ihr Zimmer. Keine zehn Minuten später standen sie allerdings schon wieder in der Lobby des Hotels und zwar mitsamt ihren Koffern. Am nächsten Tag, Spieltag 2, wollte Gus von Erica wissen, warum sie denn so spät – es war zu diesem Zeitpunkt schon fünf Uhr morgens gewesen – aus dem Hotel ausgecheckt hätten. Die Antwort von Erica war simpel, aber dafür nicht weniger aussagekräftig: die Internetverbindung am Zimmer war zu schlecht, um noch Online zu spielen. Ihr seht, so ein Leben als Pokerprofi kann mitunter ganz schön anstrengend sein;).
Wie es mir heute an Tag 2 des Pot Limit Omaha Turniers ergangen ist, davon werde ich euch auf jeden Fall in den nächsten Tagen berichten.
Bis dahin alles Gute an den Tischen
Euer Markus Golser/jumper17.com
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