Posted by Stephan Kalhamer | Filed under Allgemeines
Hallo FTP Community,
in gut einer Woche stellen wir in Deutschland die Weichen für die nächsten vier Jahre. Sonntagabend zur besten Sendezeit strahlten vier Sender dasselbe aus. Merkel – Steinmeier, ein Heads Up?
Interessant war es zweifelsohne mit anzusehen, wer welche Strategie verfolgt, wenngleich nicht wirklich Überraschendes geschah. Als Deutscher ist man wohl einfach zu stark gefangen im über Jahrzehnte aufgebauten Denken, der Erhalt des Status Quo sei etwas Gutes. Ich halte es da lieber mit Grönemeyer, der da singt „Stillstand ist der Tod. Geh voran, bleibt alles anders“.
Gerade Steinmeier hatte zumindest für mein unmaßgebliches Empfinden wesentlich mehr zu gewinnen, als er verlieren konnte. Denn sein Default steht auf Niederlage, ich hätte da mehr Spiel auf Sieg erwartet, denn die Absicht, die sich abzeichnende Niederlage in Grenzen zu halten.
Merkel hingegen kann ich verstehen. Sie verwaltete ihren Lead. Ob sie zu kontern verstanden hätte, bleibt offen, weil Steinmeier es nicht antestete. So spielte sich ihr Blatt von alleine. Potcontroll und ruhig die Zeit heruntergespielt – nichts wird wirklich in Erinnerung bleiben. Nach dem Duell wird wie vor dem Duell sein. Das kann dem Chipleader ja nur Recht sein.
Nun gibt es ja bei dieser Debatte wesentlich mehr Faktoren als die beiden Protagonisten selbst.
Vier Moderatoren spielten die Bälle zu.
Die drei ernst zu nehmenden Oppositionsparteien würden von einer allzu heftigen Schlammschlacht profitieren.
Dazu kommt der drohende Glaubwürdigkeitsverlust, wenn nach vier gemeinsamen Jahren an der Regierung auf etwas anderes als die erfolgreiche und nun einmal eben gemeinsame Arbeit zurückgeblickt würde.
Zu guter Letzt konnte der Herausforderer nicht einen ebenfalls männlichen Amtsträger attackieren. Er wäre auch immer Gefahr gelaufen, sich einer Frau gegenüber unhöflich und damit potentiell Wählerstimmen kostend zu verhalten.
Die Liste der Argumente, warum es so kam, wie es eben kam ist lang und auch schlüssig. Trotzdem, ich bleibe dabei: Wer es so weit geschafft hat, der muss doch ein Siegergen in sich tragen. Käme man denn ohne den unbedingten Willen zum Sieg so weit? Kann man es ohne eine gesunde Portion Ellbogenmentalität durch reines Taktieren zur Kanzlerkandidatur schaffen? Ich glaube, dass es ein anderer Stil war, der die Kandidaten so weit brachte, wie sie nun sind. Und diesen hätte ich nicht verworfen.
Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
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