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Running Bad

Chris Ferguson

3. Januar 2008

Im Jahr 1964 versuchte der "Supreme Court" in den USA zu definieren was obszön ist und was nicht. Letztendlich kamen sie zu keiner Definition, nur zu jener Schlussfolgerung: Man kann erst dann entscheiden ob etwas als obszön einzustufen ist, wenn man mit einer konkreten Situation konfrontiert ist.

Das gleiche gilt wenn du über eine schlechte Phase oder „Running bad" im Poker sprichst. Du wirst oftmals nicht in der Lage sein zu identifizieren was falsch läuft, aber du weisst es läuft nicht wie es sollte. Für mich gibt es keine Definition dieses Phänomens „Running bad", denn es bedeutet für jeden Pokerspieler etwas anderes. Für manche Spieler, ist eine 10 – 12 Stunden lange Pokersession in der man nur verliert „Running bad". Für andere schon wenn sie nur ein bisschen verlieren in einer kurzen Session. „Running bad" im Poker hängt sehr vom Pokerspieler ab und es gibt kein „Messystem" das man verwenden kann um seine Leistung zu beurteilen.

Wie man dieses Phänomen des „Running bad" auch immer definieren mag, Fakt ist das dies jedem Pokerspieler in seiner Pokerkarriere passieren wird und das nicht nur einmal sonder des öfteren. Was jedoch den Unterschied zwischen erfolgreichen Spielern und jenen die häufig verlieren ausmacht, ist wie sie mit dieser Situation und folglich auch mit ihrer Bankroll umgehen. Für mich bedeutet „Running bad" nicht ein paar Nächte zu verlieren und ein paar bad beats einzustecken über einen gewissen Zeitraum hinweg. Das ist Varianz und ein unvermeidbarer Teil des Spiels. Meiner Meinung nach ist „Running bad" etwas Grösseres das über einen langen Zeitraum passiert.

Wenn du nicht sicher bist ob du dich wirklich in einer schlechten Phase befindest, versuche deine Ergebnisse über einen statistisch relevanten Zeitraum hinweg objektiv zu analysieren. Wenn du ein konsequentes nicht gewinnbringendes Spielmuster über Wochen oder Monate erkennst, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es ein Problem in deinem Spiel gibt. Der Schlüssel um wieder zurück zu seinem gewinnbringenden Spiel zu finden, ist herauszufinden was momentan falsch läuft.

Für viele Spieler ist "Running bad" ein Teufelskreis, sie haben ein paar lange Sessions in denen sie verlieren und beginnen „on tilt" zu spielen, das führt dazu, dass sie ihren Spielstil ändern um zu gewinnen. Bald spielen diese Spieler einfach nur mehr schlecht, das führt wiederum zu Sessions in denen man verliert und einer Fortsetzung des „Downswings". Sie verlieren weil sie sich in einer schlechten Phase befinden und sie befinden sich in einer schlechten Phase weil sie eben verlieren.

Wenn du dein Spiel analysierst und glaubst, dass du gut spielst und gerade eine Pechsträhne hast, dann wird es auch so sein. Asse werden von kleinen Paaren des öfteren übertroffen das ist Bestandteil des Spiels. Drillinge werden von einem Flush geschlagen und starke Hände verlieren an Wert im River öfters als man glaubt. Mein Ratschlag in diesen Situation ist einfach den Pokertisch für eine gewisse Zeit zu verlassen. Eine Pause einlegen, sich sammeln und dann wenn man sich mental erholt fühlt wieder an den Pokertisch zurückzukehren. Ändere aber auf keinen Fall deinen Spielstil um eine Pechsträhne auszugleichen. Konzentriere dich auf die wesentlichen Dinge wie gute Starthände und versuche so solide wie möglich Poker zu spielen. Über die Zeit hinweg, wird die Pechsträhne vorbei gehen.

Was auch immer du tust, gehe auf keine Fälle in höhere Limits um deine Verluste zu kompensieren. Ich habe viele Spieler bankrott gehen sehen in Phasen wie diesen weil sie einfach viel zu beschäftigt waren mit allen Mitteln ihre Bankroll wieder aufzubauen, und gezockt haben statt clever Poker zu spielen und ein Limit runter zu gehen. Denke daran: wenn du verlierst, spielst du mit einer geringeren Bankroll als normalerweise, wenn du nun in Limits spielst die zu hoch sind riskierst du automatisch auch einen höheren Prozentsatz deiner verbleibenden ohnedies schon in Mitleidenschaft gezogenen Bankroll. Mit einem geringeren Bankrollpolster im Rücken und höherem Risiko, dauert es nicht lange und eine unglückliche Situation entwickelt sich zu einer wirklich schlechten und es führt oftmals dazu, dass Spieler alles an Bankroll verlieren was übrig war.

Wenn man ein Limit runter geht oder sogar zwei, riskiert man weniger in einem gewissen Zeitraum während man seine Bankroll wieder aufbauen kann. Natürlich sind die Pots die man gewinnen kann nicht so gross wie jene in höheren Limits aber wenn man sich die Wahrscheinlichkeiten ausrechnet bankrott zu gehen, sollte man bereit sein dies hinzunehmen. Weiters, wenn man rechtzeitig ein Limit tiefer geht, braucht man oftmals nur ein oder zwei Monate um seine Bankroll wieder aufgebaut zu haben im Gegensatz zu dem Fall wenn man komplett bankrott geht. Hier dauert es oftmals ein Jahr oder mehr bis ein Spieler sich wieder erholt hat. Das ist glaube ich das stärkeste Argument wenn dir deine Zeit etwas wert ist.

Obwohl ich dir nicht sagen kann ob du wirklich eine schlecht Phase hast, kann ich mit Sicherheit sagen dass dein psychischer Zustand dein Spiel sehr stark beeinflusst. Wenn du dich gut fühlst, sind deine Chancen gut zu spielen viel besser und wenn du dich schlecht fühlst dann eben nicht. Durststrecken sind Teil des Spiels und zu lernen mit diesen richtig umzugehen, also nicht dein Selbstvertrauen zu verlieren noch deine Bankroll zu riskieren, sind ein wichtiger Bestandteil um langfristig ein guter Pokerspieler zu sein.

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